Mittwoch, 17. Februar 2010

To Die For (1995)

Mit TO DIE FOR inszenierte Gus Van Sant 1995 eine herrlich schrille, schwarze Komödie, die leider vom Publikum nicht sonderlich gut angenommen wurde, obwohl die junge Nicole Kidman hier eine ihrer besten Darstellungen überhaupt zeigt (sie sprang für Meg Ryan ein, die mehr als das Doppelte von Kidmans Gage bekommen sollte und dennoch das Projekt verließ) und der Film wunderbar unterhält.

Basierend auf der Lebensgeschichte der Radiomoderatorin Pamela Smart, die ihren 15-jährigen Liebhaber überredete, ihren Ehemann zu ermorden und dafür zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, spielt eine überdrehte Kidman die Suzanne Stone, eine oberflächliche Blondine, die von nichts anderem träumt als einer großen TV-Karriere. Ein Job als Wetteransagerin bei einem lokalen TV-Sender bedeutet ihr schon so viel, dass sie dafür über Leichen geht. Als ihrem Ehemann (Matt Dillon) das Gehabe langsam zuviel wird, verführt Stone einen High-School-Schüler (Joaquin Phoenix), über den sie eine Videodokumentation dreht, zunächst zum Sex, dann zum Mord...

Gus Van Sant inszeniert die böse Geschichte um hirnlose Menschen ohne Moral, die einen Fernsehauftritt für den Höhepunkt ihres Lebens halten, als Quasi-Dokumentation, reiht Interviews, Talkshow-Auftritte und Reportagen aneinander, in denen die Darsteller überzeugend "authentische" Figuren spielen und schafft so eine bunte Collage über die Abgründe der Suzanne Stone. Nicole Kidman sieht nicht nur fantastisch aus, ihre Spielfreude ist absolut mitreißend, sie ist sexy, ungebildet und verkommen. Joaquin Phoenix (extrem komisch und bemitleidenswert) und seine jungen Kollegen Casey Affleck und Alison Folland spielen grandios die stumpfen Trailerpark-Teenager, die für ein bisschen Sex, Aufmerksamkeit und Ruhm zu allem bereit sind. Matt Dillon hat als Kidmans Ehemann mit Mafia-Anbindung nicht viel zu tun, wirkt aber so sympathisch, dass man ihm wünscht, er würde sein blondes Dummchen endlich in die Wüste schicken. Einen sehr bösen und genialen Gastauftritt hat übrigens Horror-Regisseur David Cronenberg gegen Ende des Films. Und zum Schluss gibt es noch eine schöne "Sunset Boulevard"-Hommage.

Gus Van Sant karikiert nicht nur die Mediengeilheit von Menschen, die sonst nichts im Leben haben, worauf sie stolz sein können, er parodiert gleichzeitig die Medien selbst, die sich mit Freude auf den Skandal stürzen und den Tätern den ersehnten Ruhm nachträglich ermöglichen, während die Opfer kaum mehr erwähnt werden. Alles in allem ist TO DIE FOR eine brillante, intelligente Satire, deren unkonventionelle Machart nicht jedermann gefallen dürfte, die aber mehr als nur sehenswert ist - und nichts von ihrer Aktualität verloren hat.

8.5/10

Und das alles verdanke ich - Botox!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...