Samstag, 13. Februar 2010

Theater des Grauens (1973)

Hier ist er, einer meiner absoluten Lieblingsfilme und ein verdienter Klassiker des Gruselkinos, Douglas Hickox' THEATER DES GRAUENS von 1973, in der Hauptrolle (bzw. den Hauptrollen) der unvergleichliche Vincent Price, der hier eine begeisternde, selbstironische und mitreißende Darbietung als schwülstiger Shakespeare-Schauspieler Edward Lionheart zeigt, dem die wichtigsten Bühnenkritiker des Landes einen ersehnten Darstellerpreis verweigern, und der deshalb seinen eigenen Tod inszeniert und sich fortan grausam an besagten Kritikern rächt, alles frei nach Shakespeare...

In der Tradition des Grand Guignol werden die gnadenlosen Rache-Aktionen als makaber-blutige Angelegenheiten serviert, die jedem Vorwurf des sinnlosen Sadismus' entgehen, weil sie sämtlich auf den Ideen des großen Barden basieren. Als Lionheart sägt Vincent Price mit Hingabe an Köpfen, ertränkt seine Widersacher in Weinfässern, grillt sie unter Trockenhauben oder schneidet Herzen aus der Brust, während er pompös die dazu gehörigen Shakespeare-Monologe zitiert. Das fröhliche Kichern beim Genuss dieser delikaten Schlachtplatte bleibt einem das eine oder andere Mal durchaus im Halse stecken, doch steht bei Regisseur Hickox stets der schwarze Humor im Vordergrund.

Vincent Price musste im Laufe seiner Karriere viel Kritik aufgrund seiner exaltierten Darstellungsweise einstecken. Hier kann er diese nicht nur auf wunderbare Weise für seine Rolle nutzen, sonder bringt als gedemütigter Lionheart dazu noch so viel Pathos und Menschlichkeit ein, dass die Sympathien durchweg auf seiner Seite sind. Er ist trotz aller Leichen, die seinen Weg pflastern, die wahrhaft tragische Figur von THEATER DES GRAUENS. Zur Seite stehen ihm die loyale Tochter (die ihrem Vater gern bei den Morden zur Hand geht), gespielt von der hinreißenden Diana Rigg in verschiedenen Verkleidungen, sowie exzellente Nebendarsteller wie Robert Morley als femininer Hundeliebhaber in rosa Shirts und Ian Hendry als Kopf der Kritikervereinigung und Lionhearts Nemesis, mit dem er sich ein sehenswertes Fecht-Duell im Gymnastikraum liefert. Jene Kritiker werden übrigens allein schon durch ihre Filmnamen der Lächerlichkeit preisgegeben (Dickman, Snipe, etc.) und werden als eitle, perverse und schmierige Dummköpfe karikiert.

Die Filmmusik von Michael Lewis ist herrlich bombastisch, die unzähligen Shakespeare-Zitate werden klug eingebaut (auch an weniger offensichtlichen Stellen), die Dialoge sprühen vor Bissigkeit ("Aber wir haben das Stück ja umgeschrieben...", erklärt Diana Rigg lächelnd ihrem potentiellen Opfer, das im "Kaufmann von Venedig" eigentlich mit dem Leben davon kommen müsste).

Für sehr sensible Gemüter dürfte THEATER DES GRAUENS trotz der humoristischen Zutaten noch immer schwer zu schlucken sein, doch für Freunde des britischen Humors und Fans von Vincent Price (und wer ist das nicht?) ist der Film ein wahres Freudenfest, oder auch einfach die beste Horror-Komödie aller Zeiten. Kopf...äh, Hut ab, Mr. Price!

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...