Dienstag, 16. Februar 2010

Süßer Vogel Jugend (1962)

SÜSSER VOGEL JUGEND (Sweet Bord of Youth) vermag mich von allen Tennessee Williams-Verfilmungen heute noch am wenigsten zu überzeugen. Das lieg zum einen daran, dass schon die Vorlage des berühmten Dramatikers nicht zu seinen besten Werken zählt, zum anderen liegt die Latte der brillanten übrigen Verfilmungen einfach verdammt hoch. Richard Brooks, Regisseur des hervorragenden "Die Katze auf dem heißen Blechdach", hat auch die Regie für "Süßer Vogel Jugend" übernommen, denoch fällt das Endergebnis deutlich schwächer aus.

Zur Story: der junge Möchtegern-Star Chance Wayne (Newman) kehrt mit der ehemaligen Filmdiva Alexandra Dellago (Geraldine Page) in sein Heimatkaff zurück, um seine Jugendliebe aus den Händen ihres korrupten und machtgierigen Vaters (Ed Begley) zu befreien. Bald schon muss er sich gegen heftige Anfeindungen wehren, und die alkoholisierte Filmdiva, die ihn als Gigolo benutzt, ist keine Hilfe.

Leider braucht der Film sehr lange, um in Gang zu kommen. Er ist extrem dialoglastig, was in der Natur der Sache liegt, da er auf einem Bühnenstück basiert, nur haben die Dialoge bei weitem nicht die Brillanz von z.B. "Blechdach", und die Charaktere sind allesamt zu unsympathisch und haben zu wenig Tiefe, um sich wirklich mit ihnen zu identifizieren. Waren die Konflikte der Figuren seinerzeit vielleicht noch frisch, wirken sie heute relativ verstaubt und klischiert. Die Filmdiva ist natürlich ein neurotisches, versoffenes Biest, die Jugendliebe (Shirley Knight) dagegen unschuldig und rein, zu allem Überfluss ist ihr Name auch noch "Heavenly", als wäre die Metapher nicht schon dick genug. Alles, was mit Politik zu tun hat, ist korrupt, verkommen und von Doppelmoral gezeichnet. Es fehlen einfach die Differenzierungen, um Interesse für die Figuren entwickeln zu können.
Zudem ist Brooks' Regie äußerst schwerfällig, das Tempo mehr als gemächlich, die Exposition (Ankunft, Einchecken im Hotel, Kennenlernen der Charaktere und Erzählung von Newmans Vergangenheit) zu lang und zu statisch.

Ausgenommen von dieser Kritik und einziger Grund, warum man den Film trotz seiner Schwächen gut ansehen kann, sind die Schauspieler, die allesamt großartige Darstellungen abliefern. Paul Newman ist die Idealbesetzung für den attraktiven Verlierer, der so gern ein Gewinner wäre, und Geraldine Page spielt in ihren Szenen alle Kollegen an die Wand. Sie hat die mit Abstand besten Dialoge und ist trotz ihres eher eindimensionalen Charakters (der in beinahe jedem Williams-Stück vorkommt) eine faszinierende Gestalt. Ed Begley spielt seinen Kleinstadt-Politiker mit genau der ekelhaften Spießer-Mentalität, die es braucht, um ihn als Zuschauer sofort zu hassen. Begley erhielt für seine Darstellung den Oscar für die beste Nebenrolle (Page und Knight waren ebenfalls nominiert, Newman wurde skandalös übergangen).

Ein weiterer Minuspunkt der Verfilmung ist übrigens das Ende, welches das ursprüngliche Ende der Vorlage (mal wieder) in positivere Richtung lenkt. Anders als in ähnlichen Fällen ging es hier aber weniger um die Angst vor der Zensur als um die Gefälligkeit gegenüber dem Kinopublikum, und das ist wenig entschuldbar.

Fazit: dem Vergleich mit Klassikern wie "Endstation Sehnsucht" oder "Die Katze auf dem heißen Blechdach", die Meisterwerke des Kinos sind, kann "Süßer Vogel Jugend" leider nicht Stand halten, dennoch ist der Film ein solides Kleinstadt-Drama mit ausgezeichneten Darstellern.

6.5/10

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