Mittwoch, 17. Februar 2010

Stereo / Crimes of the Future (1969/70)

Bevor Kult-Regisseur David Cronenberg mit SHIVERS seinen ersten Spielfilm drehte und kurz darauf zum Meister des körperbetonten, bizarren Horrorfilms wurde, schuf er zwei Kurzfilme (beide jeweils ca. 70 Minuten lang), die auf dieser DVD veröffentlicht wurden: STEREO und CRIMES OF THE FUTURE.

Sind schon Cronenbergs Spielfilme mit ihren obsessiven, verstörenden Bildern nicht gerade ideal fürs Mainstream-Publikum, stellen diese beiden Kurzfilme sogar für Fans von Cronenbergs Arbeiten eine echte Herausforderung dar, denn sie brechen sämtliche Regeln des filmischen Erzählens, sind schwer zu entschlüsseln und reinstes Experimentalkino, wie es in dieser Form nicht mehr existiert.

In STEREO (Schwarz/Weiß, 1969) werden wir Zeuge eines Experiments in einem medizinischen Institut. Anhand von sieben Testpersonen wird versucht, die menschliche Sprache überflüssig zu machen und die Telepathie zu fördern.

CRIMES OF THE FUTURE (Farbe, 1970) spielt ebenfalls in einem typisch Cronenbergschen Institut, in dem das Aussterben geschlechtsreifer Frauen untersucht wird, die offenbar von einem verseuchten Make-Up dahingerafft wurden. Eine seltsame Krankheit macht sich breit, die auf einen Wissenschaftler zurückgeht...

Klingt bizarr, ist es auch. Beide Filme sind schwerer Stoff für den Filmfreund, doch wer mit Cronenbergs Visionen etwas anfangen kann, der darf hier schon vieles entdecken, was den Regisseur auch später noch fasziniert hat. Körperflüssigkeiten, Blut, Krankheiten, Verfall, irregeleitete und irre Wissenschaftler, die Dualität Körper/Geist, die Ästhetik des Todes, der Horror einer technologisierten Welt, und vieles mehr. Das alles hat - anders als in den Spielfilmen - kaum erzählerischen Zusammenhang, sondern ist intellektuell, assoziativ und alptraumhaft. Auf gewisse Art sind die Kurzfilme beängstigender als alle Spielfilme des Regisseurs. Musik ist in beiden Filmen nicht vorhanden ("Crimes" spielt mit einer Art Klangteppich aus Geräuschen), ebenso fehlen jegliche Dialoge. Die Darsteller agieren stumm, in beiden Fällen gibt es allerdings einen Voice-Over.

Die DVD zeigt beide Filme im Original mit deutschen Untertiteln. Für Cronenberg-Fans sind die Filme ein Muss, alle anderen seien gewarnt. Wer allerdings Lynch's ERASERHEAD mag, der dürfte auch hier seine Freude haben.

06/10

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