Mittwoch, 17. Februar 2010

The Stepfather (1987)

THE STEPFATHER aus dem Jahr 1987 wurde seinerzeit im Kino völlig übersehen (er lief unter dem behämmerten Titel "Kill, Daddy, Kill"), und auch auf Video war ihm als "Spur in den Tod 2" kaum Erfolg beschieden. Heute genießt er endlich den verdienten Kultstatus, und neben zwei Fortsetzungen läuft aktuell das Remake im Kino. THE STEPFATHER erzählt von einer Schülerin (Jill Schoelen), die in ihrem Stiefvater (Terry O'Quinn) einen gesuchten Serienmörder vermutet. Da ihr niemand Glauben schenkt und sie psychisch nicht gerade stabil ist, sucht sie selbst nach Beweisen...

Das klingt konventionell, THE STEPFATHER steckt aber voller Ironie, Substanz und Intelligenz, ist viel mehr als ein simpler Slasher-Film. In Jerry, dem bösen Stiefpapa, finden wir ein Zerrbild des amerikanischen Traums. Dass Jerry tatsächlich der gesuchte Killer ist, stellt der Film gleich in der ersten Szene klar (dieser anfängliche Schock dürfte für die FSK 18-Freigabe verantwortlich sein). Jerry träumt von der heilen Familie, welche ihm das Fernsehen vorgaukelt, er träumt vom liebevollen Miteinander beim Thanksgiving-Essen, von Barbecues mit Nachbarn, und von Frau und Kindern, die ihn lieben und ehren. Wenn diese aber seinen erzkonservativen Ansprüchen nicht mehr genügen, rastet er aus, wechselt seine Identität, "beschafft" sich eine neue Familie (indem er sich an alleinerziehende Frauen heranmacht) und beseitigt die alte. Jerry ist der Alptraum jeder alleinerziehenden Mutter - der perfekte Gentleman, gepflegt, kultiviert und an allen Problemchen interessiert, aber hinter der biederen Fassade lauern Wahnsinn und Mordlust. Damit liefert Joseph Ruben einen bissigen Kommentar zur Reagan-Ära und deren Rückbesinnung auf reaktionäre "alte" Werte.

Die Frage, wann und wie Jerry austickt, hält den Film in ständiger Hochspannung, Anzeichen dafür gibt es genug. Terry O'Quinn spielt diesen Psychopathen atemberaubend gut und unvergesslich. Für mich gehört er neben Hannibal Lecter und Norman Bates zu den furchterregendsten Psychopathen der Thriller-Geschichte. Shelley Hack ("3 Engel für Charlie") spielt die nichtsahnende Ehefrau, die nicht merkt, dass sich der nette Dr. Jekyll in ihrem Ehebett langsam in Mr. Hyde verwandelt. Die immer reizende Jill Schoelen, neben Jamie Lee Curtis die beste Scream-Queen der 80er, ist die sympathische Identifikationsfigur für den Zuschauer.
Joseph Ruben hat mit THE STEPFATHER einen brillanten Psycho-Thriller inszeniert. Leider verlegte er sich danach auf substanzlosen Mainstream-Quark wie das Julia Roberts-Vehikel "Der Feind in meinem Bett". Sein STEPFATHER bleibt unerreicht.

09/10

1 Kommentar:

  1. Was für ein Film!! Nach Deiner Rezi schien er mir das perfekte Weihnachtsgeschenk für meinen Freund zu sein - und das war es auch! Er kannte ihn zum Glück noch nicht und da waren wir schon zu zweit. Wirklich sehr spannender Film inkl. Opener, der sich (in Blut) gewaschen hat und Showdown voller Überraschungen zum Mitzittern (ich jedenfalls). Mit das Beste Nr. 1: Wie Jill den Schlitten (!) nach ihm wirft und mit das Beste Nr. 2 insgesamt gesehen: alle, aber auch echt alle Handlungen waren von allen Personen stets nachvollziehbar, so hätte ich als Tochter, Mutter und Serienmörder (rrrrrh) auch gehandelt... Das hat man nicht unbedingt so oft. Keine einzige überzogene oder filmzurechtgebügelte Reaktion. Und Terry O'Quinn ist echt creepy. Phew...

    Die Story hat mich an einen echten Vorfall aus den 1920er Jahren in den USA erinnert, aber mir will der Name des Serienmörders nicht mehr einfallen. Hab erst kürzlich bei einem Vortrag von Dr. Mark Benecke (Du weißt schon, dem "Herrn der Maden"/Forensiker) von ihm gehört. Der Typ war ein Buchhalter und hat seine gesamte Familie fein säuberlich bis auf die letzte Maus inkl. der eigenen Mutter dezimiert und dann noch sauber hindrapiert (im Gegensatz zu unserem Stiefvater hier). Aus ähnlichen, zwanghaft-psychotischen Gründen. Nach außen hin aber voll der normale Typ, absolut bieder und unauffällig. Jedenfalls hat er nach dieser Bluttat 20 Jahre unentdeckt in einer anderen amerikanischen Stadt unter anderem Namen und nur geringfügig verändert (ähnlich wie im Film durch Schnorres + Perücke) gelebt. Das muss man sich mal vorstellen! 20 Jahre!! Er hatte dann eine neue Familie und so weiter. Ob er diese auch umgebracht hat und weitere dazwischen, weiß ich nicht. Aber jedenfalls kam mir der Buchhalter sofort in den Sinn bei dem Film. Ich hab mir schon nen Wolf nach ihm gegoogelt, aber nicht gefunden.

    Also ein starkes Stück Horrorthriller, super Tipp und absolut zu empfehlen. Ich hätte ihm echt 10/10 gegeben.

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