Mittwoch, 17. Februar 2010

Stardust Memories (1980)

STARDUST MEMORIES war er ein finanzieller Flop, dabei handelt es sich hier um eines von Allens reichsten, surrealsten und deutlich autobiografischsten Werken, in wundervollem Schwarzweiß von Gordon Willis fotografiert und von einer exzellenten Besetzung dargeboten, darunter die berückende Charlotte Rampling, Jessica Harper und Marie-Christine Barrault als unterschiedliche Lebensgefährtinnen des von Allen gespielten Regisseurs Sandy Bates, der während eines Filmfestivals am Scheideweg steht, menschlich und künstlerisch ("Ich weiß nicht weiter. Soll ich meinen Film ändern? Soll ich mein Leben ändern?").
Nach mehreren erfolgreichen Komödien hat Sandy einen nachdenklichen Film gedreht, aber Produzenten und Fans wollen lieber lachen. Man mag auch keinen Realismus, man will unterhalten werden. Sandy erinnert sich an seine Kindheit und die Frauen in seinem Leben, während er andauernd von Passanten, Kritikern und Fans belästigt wird ("Bitte ein Autogramm auf meine linke Brust!"). Und er wird endlich erwachsen.

Viele Kritiker haben STARDUST MEMORIES mit Fellinis "8 1/2" verglichen, der eine ähnliche Geschichte erzählt, und sicher ist Allens Film auch eine Verbeugung vor dem Meister. Die Themen sind aber auch typisch Allen - komplizierte Beziehungen neurotischer Menschen ("Ihre Filme handeln immer nur von Leuten mit Persönlichkeitsstörungen"), die Unfähigkeit eines Mannes, mit den Frauen umzugehen, die Reise in die Kindheit und das Gegen- bzw. Zusammenspiel von Kunst und Realität, Leben und Tod. "Du kannst das Leben nicht kontrollieren, nur die Kunst und die Masturbation - zwei Gebiete, auf denen ich Fachmann bin", sagt Sandy. STARDUST MEMORIES ist ein trauriger-komischer, melancholischer und sehr ruhiger Film voller schräger Charaktere und ungewöhnlicher Gesichter, die eigens für den Film gecastet wurden und ihm einen surrealen Anstrich verleihen. In der Anfangs-Sequenz sehen wir Woody Allen (im Film-im-Film) zusammen mit eben jenen Gesichtern in einem Zug, und sein sehnsüchtiger Blick gilt einem vorbeifahrenden Zug, in dem eine wunderschöne Frau sitzt, die ihm einen Kuss zuwirft - es handelt sich dabei um die junge Sharon Stone in ihrem ersten Leinwandauftritt! Für nur einige Sekunden verzaubert sie ihn und uns.

Nach dem ebenso romantischen wie witzigen "Manhattan" hatten die Zuschauer einen ähnlichen Film erwartet und zeigten sich enttäuscht, und damit bestätigten sie die These des Films. "Zuviel Realität ist nicht das, was das Publikum will", sagt ein Psychiater über Sandy in STARDUST MEMORIES und attestiert eine gestörte Verdrängung gegenüber der Grausamkeit der Existenz. Ich persönlich habe nichts gegen Realität in der Unterhaltung, und deswegen mag ich auch STARDUST MEMORIES.

07/10

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