Mittwoch, 17. Februar 2010

Staatsanwälte küsst man nicht (1986)

Mit STAATSANWÄLTE KÜSST MAN NICHT versuchte Regisseur Ivan Reitman 1986 nach seinem Mega-Hit "Ghostbusters" einen Genre-Mix aus Krimi, Screwball und romantischer Komödie, der sich deutlich an entsprechenden Hollywood-Klassikern orientiert. Sein Film ist reinstes Mainstream-Kino, auf ultimativen Massengeschmack zurechtgebügelt, kann aber durch einige wirklich gelungene Einfälle und die charismatische Besetzung sehr gut unterhalten. Als Zeitreise zurück in die 80er ist er ebenfalls sehenswert.

Erzählt wird vom Staatsanwalt Tom Logan (Robert Redford), der durch die Bekanntschaft mit der leicht skurrilen Anwältin Laura Kelly (Debra Winger), die schon mal einen Hund in den Zeugenstand zitierte, in ein Krimi-Komplott um gefälschte Kunstwerke, eine attraktive Blondine (Daryl Hannah) und einen Mord in der Vergangenheit gerät.
Mehr soll hier gar nicht verraten werden, denn die Handlung ist ohnehin nebensächlich. STAATSANWÄLTE KÜSST MAN NICHT war eine schwierige Produktion, im Drehbuch der "Top Gun"-Autoren Cash und Epps sollten ursprünglich zwei männliche Anwälte um die Gunst der mysteriösen Hannah streiten (Bill Murray sollte Debra Wingers Part spielen, eine sehr interessante Vorstellung).
Was den Film auszeichnet, sind die liebevollen Charakterdetails. So leiden Redford und Winger etwa beide an Schlaflosigkeit, die sie in einer wunderbaren Montage auf unterschiedliche Weise bekämpfen (Redford tanzt im Badezimmer, Winger bügelt und futtert den gesamten Kühlschrank leer, bis sie sich übergeben muss). Redford darf dabei wie immer jungenhaften Charme versprühen, wenn er versehentlich mit Spielzeug-Koffer zur Arbeit geht oder an Teerfässern kleben bleibt, während Winger eine Quasi-Vorgängerin von Ally McBeal geben darf und den deutlich neurotischeren Charakter aufweist. Die Stars harmonieren perfekt, und ich persönlich kann ohnehin keinem Film mit Debra Winger etwas übel nehmen. Wenn Redford von ihren großen, warmen Augen schwärmt, dann kann man ihm nur beipflichten. Bei Daryl Hannah weiß ich bis heute nicht, ob sie eine gute Schauspielerin ist oder nicht, aber in ihrer Nebenrolle muss sie eigentlich auch nur attraktiv sein, das schafft sie mühelos. Sie absolviert für Redford als Performance-Künstlerin einen beeindruckenden Feuer-Akt, den sie angeblich selbst entwickelt hat. In Nebenrollen glänzen gute Darsteller wie Brian Dennehy und Terence Stamp.
Regisseur Reitman hält die Handlung auf recht hohem Tempo (für die 80er, nicht nach heutigen Maßstäben), und einige Action-Sequenzen verbinden Witz und Spannung in genau der richtigen Dosierung (Winger zu Redford, während sie mit einer Bombe eingeschlossen sind: "Was tickt denn hier so, ist das Ihre Uhr?"). Das Finale hingegen wirkt Hollywood-gerecht mehr als nur leicht überladen.
Insgesamt handelt es sich bei STAATSANWÄLTE KÜSST MAN NICHT um unterhaltsames, leicht nostalgisches Star-Kino, das sehr gut für Sonntagnachmittage geeignet ist. Es macht im besten Fall gute Laune, und daran gibt es nichts auszusetzen.

07/10

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