Samstag, 13. Februar 2010

Spion in Spitzenhöschen (1966)

Ein Spion in Spitzenhöschen taucht zwar im ganzen Film nicht auf (das ist vielleicht auch gut so), aber trotzdem handelt es sich hier um einen herrlich albernen, überdrehten und temporeichen Komödien-Klassiker mit der unvergleichlichen Doris Day in der Spätphase ihrer Karriere.

Regisseur Frank Tashlin, Spezialist für abgedrehte Slapstick-Komödien mit Hang zu satirischen Spitzen, nutzt die 60er Agentenfilm-Welle (ausgelöst durch die James Bond-Reihe) für die verrückte Geschichte einer NASA-Angestellten (Doris Day), deren Vorgesetzter/Physiker (Rod Taylor) das Projekt "Venus" ins Leben ruft - ein absurder Plan, durch den sich Day in ihn verlieben soll. Da die arme Doris Day aber dreimal täglich ihren Hund Vladimir anruft und auch sonst allerhand Skurrilitäten aufweist, gerät sie ins Visier der Sicherheitsabteilung und wird bald für eine russische Agentin gehalten. Als sie das mitbekommt, geht sie auf das Spiel ein und bringt alles durcheinander...

SPION IN SPITZENHÖSCHEN ist vielleicht nicht Doris Days bester Film, aber zweifellos einer ihrer komischsten. Kein Gag wird ausgelassen, es wimmelt nur so von Einfällen und Slapstick-Momenten - sogar vor der berühmten Sahnetorte (hier eine Bananen-Sahnetorte) macht der Film nicht Halt. Doch SPION IN SPITZENHÖSCHEN kann auch mehr. Regisseur Tashlin baut überall sarkastische Anspielungen auf den Technik-Wahn und den American Way of Life ein. Praktisch alle elektronischen Gegenstände entwickeln ein merkwürdiges Eigenleben und wenden sich gegen ihren Benutzer. So lebt Rod Taylor in einer vollautomatisierten Küche inklusive Putz-Roboter, der plötzlich über Doris Day herfällt und mit seinem Sauger ihre Hose hochkriecht. Ein ferngesteuertes Rennboot dreht mit Day an Bord durch, und ein Partyhäppchen mit eingebautem Mini-Sender krabbelt verzweifelt auf dem Tablett herum, bis es von seinem Benutzer (Dom DeLuise) vernascht wird.

Doris Day führt das illustre Ensemble von Komikern beherzt an. Herrlich zu sehen, dass die 42jährige Day vor keinem Spaß zurückschreckt und hier nicht die typische Sauberfrau spielt. In einer Alptraum-Sequenz von Rod Taylor darf sie sogar als verführerische Mata Hari auftauchen. Und singen darf sie natürlich auch - den Titelsong "The Glass Bottom Boat", eine parodierte Version ihres Klassikers "Que Sera, Sera" und - im einzig romantischen und ernsten Moment des Films - "Soft as the Starlight". Doris Day und Frank Tashlin drehten ein Jahr später CAPRICE, eine noch deutlichere Parodie auf die James Bond-Reihe.

Eine kleine Anmerkung: etwas gewöhnungsbedürftig ist hier Doris Days Synchronsprecherin Ilse Kiewiet anstelle der "gewohnten" Edith Schneider. Ich plädiere ohnehin für die O-Fassung, denn nicht nur ist Doris Days Originalstimme seidig-sanft, einige der bösen und anarchischen Gags gehen in der Übersetzung leider verloren.

Fazit: SPION IN SPITZENHÖSCHEN ist ein Film, der nichts und niemanden ernst nimmt, er bietet knapp zwei Stunden Lachsalven, schrille 60er-Ausstattung/Mode sowie liebenswerte Darsteller bis in die Nebenrollen. That's Entertainment!

09/10

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