Dienstag, 16. Februar 2010

Spider (2002)

David Cronenberg gehört zweifellos zu den originärsten, unverwechselbarsten Regisseuren des modernen Kinos, und auch "Spider" ist so anders als alles, was man erwarten würde, wenn man nur den Inhalt, die Besetzung oder Vermarktung betrachtet. "Spider" erzählt von einem psychisch labilen Mann, der zu den Wurzeln seiner Kindheit zurückkehrt, wo ein noch nicht verarbeitetes, schockierendes Erlebnis auf ihn wartet, das ihn seit jenen Tagen quält.

Der Film ist düster, extrem langsam und weit entfernt von jeder Form der simplen Unterhaltung, was nicht bedeutet, dass er nicht psychologisch aufregend, fesselnd und auch spannend wäre, denn das alles ist er. Die Bildgestaltung ist ein Genuss, und die namhafte Besetzung von Charakterdarstellern agiert auf höchstem Niveau (Ralph Fiennes spricht nur wenige Sätze im Film, obwohl er in jeder Szene präsent ist).

"Der einzige Special Effect in Spider ist Miranda Richardson", sagte Cronenberg selbst, und tatsächlich ist die Art, wie die Schauspielerin geführt und eingesetzt wird (sie spielt zunächst nur eine, dann zwei, dann immer mehr Rollen, was in der komplexen Psychologie von Fiennes' Figur begründet ist), schlicht großartig.

Eine Warnung: "Spider" ist nichts für den Mainstream-Zuschauer, der einen psychologischen Thriller erwartet. Allein seine Stille (ganze Szenenfolgen verlaufen stumm) und Langsamkeit dürfte auf manche Zuschauer sehr anstrengend wirken. Aber wer einen Zugang zum Film finden mag, der wird sehr belohnt, insbesondere bei mehrmaligem Sehen.

08/10

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