Freitag, 12. Februar 2010

The Specialist (1994)

Dass ich Sharon Stone in jedem noch so dämlichen Film liebe, habe ich bereits an anderer Stelle verraten, also gehört selbstverständlich auch THE SPECIALIST aus dem Jahr 1994 zu meinen Guilty Pleasures, und er ist bei weitem nicht so schlecht wie sein Ruf. Wirklich gut ist er aber auch nicht.

Die Story: Ex-CIA-Bombenexperte Sylvester Stallone arbeitet nach einem tragischen Vorfall als privater Bombenleger in Miami (man fragt sich, ob er wohl in den Gelben Seiten steht) und wird von Sharon Stone angeheuert, die Mörder ihrer Eltern umzubringen, namentlich Julia Roberts' kleinen Bruder Eric und dessen Filmvater Rod Steiger, der hier seinen Overacting-Modus auf Höchstgeschwindigkeit gestellt hat.

Das Ganze ist natürlich keine Sekunde glaubwürdig, der Film kann aber trotzdem in einigen Kategorien punkten. Das Beste an THE SPECIALIST ist John Barrys großartige Filmmusik, die - gleichzeitig wuchtig und verführerisch - der lahmen Handlung zu sehr viel Dynamik und Atmosphäre verhilft. Die Beziehung von Stone und Stallone findet zunächst nur per Telefon statt, und hier verneigt sich THE SPECIALIST durchaus vor dem Film Noir - Stallone ist der gebrochene Held, Stone die Femmme Fatale, die natürlich ein doppeltes Spiel treibt. Sharon Stone sieht den ganzen Film hindurch hinreißend aus und spielt mit exakt der Coolness, die sie in Basic Instinct berühmt machte. Stallone schaut aus traurigen Augen drein und wirft gern Rabauken durch Bus-Fenster, während er auf die erste Begegnung mit der kühlen Stone wartet. Ihre große Sex-Szene unter der Hoteldusche soll wahrscheinlich alles sprengen, was jemals dagewesen ist, doch bietet dieser erotische Ringkampf lediglich schöne Körper, viel Wasser und heißen Dampf, aber keinerlei Funken.
Die beste darstellerische Leistung zeigt übrigens James Woods (wer sonst?), der jede Szene an sich reißt und einen Riesenspaß zu haben scheint, ganz besonders wenn er droht, einen Polizeistützpunkt mittels schnell gebastelter Bombe (à la "MacGyver") in die Luft zu sprengen, wenn man ihn nicht höflich behandelt. Die schwül-heiße Miami-Atmosphäre wird von Regisseur Luis Llosa durch viele Außenaufnahmen gut genutzt, die Action-Szenen sind relativ sicher inszeniert, und im Finale kommt kurz echte Spannung auf.

Das große Problem des Films ist, dass er von Leuten nur so wimmelt, die man alle nicht bei sich zum Abendessen haben möchte, die Hauptfiguren eingeschlossen. Alle haben nur Mord und Totschlag im Sinn, und das ständige Abservieren schmieriger Krimineller durch Stallones Bomben erzeugt natürlich kaum Befriedigung oder Sympathie beim Zuschauer. Man schaut weitgehend emotionslos zu, der Film bleibt auf seltsame Art leer und kalt, trotz der vielen Feuerwerke.
Zu empfehlen ist der Film für Stone-Fans wie mich, die auch schwache Thriller wie diesen gern verschlingen. Anspruchsvolle Action-Freunde werden an THE SPECIALIST eher keinen Spaß haben, dazu bietet er zu wenig Überraschungen und nichts Spektakuläres - außer dem Moment, wenn Sharon Stone erstmals aus einer Limousine steigt und eine Party betritt. Sehr sehenswert, doch.

06/10

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