Dienstag, 16. Februar 2010

Solange es Menschen gibt (1959)

Regisseur Douglas Sirk war in vielen Genres zu Hause, doch im Melodram hat er seine besten Werke gedreht. "Solange es Menschen gibt" gehört neben "In den Wind geschrieben", "Die wunderbare Macht" und "Was der Himmel erlaubt" zu seinen künstlerischen Höhepunkten.

Wie üblich bei Sirk ist "Solange es Menschen gibt" herrlich anzusehen. Leuchtende Farben, expressive Bilder und große Gefühle dominieren die Erzählung. Lana Turner spielt eine aufstrebende Schauspielerin und alleinerziehende Mutter, die eine farbige Freundin (Juanita Moore) und deren Tochter bei sich aufnimmt. Als sie endlich den langersehnten Erfolg hat und zu Ruhm gelangt, brechen alle unterschwelligen Konflikte aus.

Lana Turner ist schlicht und einfach die Idealbesetzung, und Douglas Sirk - ein hervorragender Frauen-Regisseur - setzt sie atemberaubend in Szene. In einer früheren Filmversion von 1934 spielte übrigens Claudette Colbert ihre Rolle. Die übrigen Darsteller sind bis in die Nebenrollen ebenfalls hervorragend. "Solange es Menschen gibt" ist vielschichtig und komplex, gleich mehrere schwere Themen werden hier aufgearbeitet, von gestörten Mutter/Tochter-Beziehungen (beide Töchter können die Opfer ihrer Mütter nicht anerkennen) über die Grausamkeit des Showbusiness bis hin zu alltäglichem Rassismus und Selbstverleugnung (Susan Kohner als Moores Tochter kann ihre Hautfarbe und die damit verbundene Ausgrenzung nicht ertragen und gibt ihrer Mutter dafür die Schuld). Wie so oft krönt Sirk sein Werk mit einer humanistischen und liberalen Botschaft, die niemand missverstehen kann, und die ihrer Zeit voraus ist.
Was unter schwacher Regie schnell peinlich wirken kann, ist bei Sirk immer emotional packend und überzeugend. Der Teufelskreis der Intoleranz, der aus Opfern verzweifelte Täter macht (Susan Kohner verhält sich schließlich ebenso grausam ihrer Mutter gegenüber) wurde selten so gut eingefangen und dargestellt.

"Solange es Menschen gibt" gehört zu den besten aller Hollywood-Melodramen und macht es unmöglich, nicht in Tränen auszubrechen, jedes Mal wieder. Die Schluss-Sequenz ist so herzzerreißend, das man es kaum aushält. Der Film trifft tief ins Herz, und er macht auf schmerzhafte Weise deutlich, dass sich zwischen 1959 und heute in menschlichen Beziehungen und in Fragen der Toleranz kaum etwas geändert hat.

09/10

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