Montag, 15. Februar 2010

Sklavin des Herzens (1949)

An Alfred Hitchcocks UNDER CAPRICORN (Sklavin des Herzens) aus dem Jahr 1949 scheiden sich die Geister. Die einen halten ihn für ein langweiliges Kostümdrama, die anderen (besonders die Franzosen, dort ist der Film Kult) für ein filmisches Meisterwerk. Fest steht, dass er kein finanzieller Erfolg war, trotz der schwergewichtigen Star-Namen. Fest steht auch, dass die Kameraarbeit von Altmeister Jack Cardiff wundervoll und betörend bleibt, auch nach so vielen Jahren. Die Farben (dies war Hitchcocks zweiter Farbfilm nach "Cocktail für eine Leiche") werden ebenso wie die Dekors und Kostüme äußerst expressionistisch eingesetzt.

Zur Story: im Australien des 19. Jahrhunderts verliebt sich der junge Heißsporn Michael Wilding in die alkoholkranke und depressive Ingrid Bergman, die mit ihrem Ehemann Joseph Cotten ein schreckliches Geheimnis teilt...

Die Stimmung des Films ist düster und für Hitchcocks Verhältnisse weitgehend humorlos, der Geschichte fehlt sicherlich hier und da ein wenig Tempo, brillant sind aber nach wie vor die Darsteller, allen voran die wundervolle Bergman, die erst im letzten Drittel zu voller Schönheit erblüht.

Ebenso sehenswert ist Margaret Leighton als böse Haushälterin, die ihre Herrin mit Alkohol und Schrumpfköpfen unter dem Bettlaken in den Wahnsinn treiben will (ähnlich wie es Hitchcock schon erfolgreich in "Rebecca" erzählt hat). Ich würde UNDER CAPRICORN nicht unbedingt Hitchcock-Einsteigern empfehlen, weil er letztlich zu untypisch für den Meister der Spannung ist. Für mich persönlich gehört das Melodram zu den besten Hitchcocks - ich liebe seine schwermütige Atmosphäre, die langen Kamerafahrten, Ingrid Bergmans berühmte Beichtszene (die in nur einer einzigen Einstellung gefilmt ist), sowie den wunderschön altmodischen Soundtrack von Richard Addinsell.

Ganz ähnlich wie der weitaus anerkanntere VERTIGO gleicht UNDER CAPRICORN einem fast schon surrealen Traum.

08/10

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