Mittwoch, 17. Februar 2010

Silkwood (1983)

In erster Linie gehört SILKWOOD ganz und gar Meryl Streep. Ihre Darstellung ist frei von jeder Eitelkeit, authentisch und fesselnd, ihr Charakter ist vielschichtig, schwierig, manchmal kindlich (etwa wenn sie im Pausenraum der Anlage herumstromert und von jedem Teller nascht) und ungerecht, dann wieder engagiert und sensibel. Ihre Karen ist keine besonders intelligente Frau (sie "stolpert" mehr in die Aufdeckung des Skandals und macht sich nie Gedanken über Konsequenzen ihres Verhaltens), und Streep bettelt nicht um Sympathie. Man versteht, dass diese Frau den Kollegen und dem Unternehmen ein Dorn im Auge war, und sie ist weit entfernt von einer klischeehaften "Heldin". Das allein hebt den Film schon über den Durchschnitt.

So ist SILKWOOD auch mehr Charakter- und Milieustudie als Thriller. Regisseur Mike Nichols schildert ein extrem realistisches Bild der Arbeit in der Anlage und konzentriert sich (leider etwas zu viel) auf die Beziehung zwischen Streep und dem liebenswerten Kurt Russell. Cher spielt Streeps lesbische Mitbewohnerin und Arbeitskollegin Dolly, sie liefert wie alle anderen eine ausgezeichnete und überraschend unglamouröse Darstellung ab. Witzigerweise hat sie im Film eine Affäre mit einer Leichenkosmetikerin (Diana Scarwid), die Cher eine "Behandlung" verpasst, nach der sie zum ersten Mal aussieht wie Cher normalerweise aussieht... aus heutiger Sicht eine besonders humorige Szene.

Trotz dieser fabelhaften Leistungen hat der Film aber seine Längen. Es wird mehr als einmal zu viel auf der Veranda gesessen und im Bett gelegen und über Beziehungen diskutiert, anstatt den im Grunde sehr spannenden Plot um die Atom-Machenschaften zu verfolgen. Trotzdem ist er ein ehrlicher und wichtiger Film, gerade in heutigen Zeiten, wo die Atom-Lobby wieder alles dafür tut, die Gefahren herunterzuspielen und ein verlogenes Image zu propagieren. Die Szenen, in denen Mery Streep erkennen muss, dass sie selbst und ihr gesamtes Haus bereits verstrahlt sind, gehören zu den stärksten des Films und gehen tief unter die Haut.

07/10

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