Mittwoch, 17. Februar 2010

Silent Movie (1976)

1976 kreierte Mel Brooks nach dem großen Erfolg von "Frankenstein Junior" seinen nächsten Geniestreich - SILENT MOVIE, einen Stummfilm, in dem nur ein einziges Wort gesprochen wird (von Marcel Marceau, ausgerechnet).

Die Story: Filmregisseur Mel Funn (Mel Brooks selbst) plant, einen großen Stummfilm zu drehen. Das darf er laut Filmproduzent aber nur, wenn er möglichst viele große Hollywoodstars dafür gewinnen kann. Auf geht die verrückte Jagd auf Top-Stars...

So ungefähr muss auch die reale Situation für Brooks mit dieser absurden Idee gewesen sein, aber sie hat funktioniert, und herausgekommen ist eine der originellsten, turbulentesten und verrücktesten Filmkomödien aller Zeiten. Brooks und seine Gefährten Marty Feldman und Dom DeLuise überraschen Burt Reynolds nackig unter der Dusche, legen mit Anne Bancroft einen heißen Samba aufs Parkett, steigen als Ritter verkleidet hinter Liza Minelli her und liefern sich mit Paul Newman eine Rollstuhl-Jagd durchs Sanatorium, alles begleitet von John Morris' stimmungsvoller Stummfilm-Musik, vielen Geräuscheffekten und wahnsinnigen Slapstick-Einfällen und Musical-Nummern (wie der romantische Tanz von Brooks und Broadway-Star Bernadette Peters auf einer gigantischen Hochzeitstorte).

Man gewöhnt sich schnell daran, dass niemand spricht (zu Beginn - quasi um den Zuschauer ins kalte Wasser zu stoßen - gibt es nicht einmal Geräusche), und schnell wünscht man sich, dass in modernen Filmkomödien ebenfalls weniger geredet würde. Die Spielfreude der Darsteller ist geradezu mitreißend, und auch die Gaststars werfen sich mit vollem Einsatz ins Vergnügen. Zwischentitel mit Dialogen sorgen für zusätzlichen Wortwitz, doch es sind die stummen Sequenzen, die am meisten überzeugen.

In meiner Lieblings-Szene muss Marty Feldman auf zwei identische Schäferhunde aufpassen, während ihre Herrchen auf der Toilette sind, und vertauscht sie natürlich beim Zurückgeben. Leider ist eines der Tiere ein trainierter Blindenhund, der andere ein untrainiertes Kraftpakt, was zu chaotischen Folgen führt...

In SILENT MOVIE stecken so viel Witz und Erfindungsreichtum, dass es für mehrere Filme gereicht hätte. Er ist gleichzeitig eine liebevolle Hommage ans alte Hollywood-Musical, an die goldene Zeit der Stummfilmhelden Keaton, Lloyd und Chaplin sowie herrlich abgefahrene Nummernrevue. Ein einzigartiger Film, den ich jedem ans Herz legen möchte, der genug hat von den synthetischen Romantic Comedies, mit denen Hollywood uns seit Jahren belästigt.

08/10

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