Dienstag, 16. Februar 2010

Shock Corridor (1963)

Regisseur Samuel Fuller war einer der großen Außenseiter in Hollywood. Seine Filme sind zynisch, bedrückend, wütend und richten sich oft gegen das Hollywood-Establishment als auch gegen Ungerechtigkeiten und Doppelmoral der Gesellschaft. "Shock Corridor" ist eines seiner radikalsten Werke.

Es erzählt von dem Journalisten Johnny (Peter Breck), der sich zur Undercover-Recherche in eine Nervenheilanstalt einweisen lässt. Die Begegnung mit den Insassen sorgt aber dafür, dass er selbst bald an seinem Geisteszustand zweifelt...

Was wie eine Satire klingt ist eine bitterböse Abrechnung mit den amerikanischen Befindlichkeiten der späten 50er/frühen 60er. Rassismus (einer der Insassen hält sich für den Anführer des Ku-Klux-Klans), der Kalte Krieg, Inzest, Missbrauch und Gewalt werden von Fuller gnadenlos an den Pranger gestellt. Dies schafft er nicht etwa durch den erhobenen Zeigefinger, sondern durch die dramatische Kraft seiner Inszenierung und sein brillantes Buch (Fuller schrieb, produzierte und führte Regie). Die Darsteller spielen beängstigend gut, insbesondere Hauptdarsteller Breck und Constance Towers, mit der Fuller später seinen vielleicht besten Film "Der nackte Kuss" drehte.

"Shock Corridor" ist nichts für schwache Gemüter. Er ist radikal, verstörend und faszinierend in seinen surrealen Momenten (ein Regensturm auf dem Psychiatrie-Flur). Sehr empfohlen für alle, die ein anderes Hollywood sehen wollen, das mehr als nur Unterhaltung bietet. Ein Film, den es so kein zweites Mal gibt.

09/10

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