Mittwoch, 17. Februar 2010

Shelter (2007)

Als SHELTER 2007 herauskam, erhielt er sehr viel Zuspruch und gute Kritiken, man findet im Internet kaum eine negative Besprechung, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Um es kurz zu machen: SHELTER war für mich eine Riesen-Enttäuschung. Der gefühlte 543. Film zum Thema Coming-Out ist diesmal angesiedelt im Surfer-Milieu von San Pedro, was Regisseur Jonah Markowitz viel Gelegenheit zu endlosen Surfer-Montagen, sonnendurchfluteten Bildern und dem Ablichten edler Luxuskörper mit und ohne Gummianzug gibt. Ja, es gibt Schlimmeres, aber es geht auch so viel besser. Tatsächlich kann SHELTER mit einer schönen sommerlichen Atmosphäre Lust auf Sonne und Strand machen, aber was hat er zu erzählen?

Der junge Zach arbeitet in einer Burger-Bude und kümmert sich nebenbei liebevoll um das Kind seiner Schwester, die ihren Sohn vernachlässigt. Als Zach sich in den Bruder eines Kumpels verliebt, den er bereits aus Kindertagen kennt, nimmt das Drama seinen Lauf. Wird er zu sich selbst stehen können? Wird er die volle Verantwortung für sein Leben und das seines Neffen übernehmen? Raten Sie mal.

Das Positive: die beiden Hauptdarsteller Trevor Wright und Brad Rowe spielen ihre Rollen überzeugend und sympathisch, werden aber von der Regie kaum gefordert, die sie lieber als Pin-Ups arrangiert. Der ganze Film ist ein lebendig gewordenes Hochglanz-Magazin, sieht umwerfend aus, inhaltlich herrscht Leere. Überall lauern Klischees - der erste Kuss der Männer findet im betrunkenen Zustand statt, der äußerlich so robuste Zach ist natürlich ein verträumter, sensibler Künstler, der Sex findet in hübschen Laken und ohne jeden Schweißtropfen oder Härchen am falschen Platz statt, die Inszenierung ist so prüde, als schäme sie sich genau dessen, was sie eigentlich erzählen will. Das Schlussbild, welches auf dem DVD-Cover als "bezauberndes Happy End" verkauft wird (danke für den Spoiler) ist reinster Sonnenuntergangs-Kitsch. Alles wirkt künstlich, sogar das Imbissbuden-Milieu. Die Nebendarsteller agieren teilweise amateurhaft, und die Dialoge und "Lebensweisheiten" sind nicht tiefgründig, sondern banal. Wenn man SHELTER mit einem ähnlich gelagerten Film wie "Beautiful Thing" vergleicht, der ebenfalls ein realistisches Arbeitermilieu und die Unmöglichkeit einer Liebe in solchem Umfeld schildert, dann schneidet SHELTER erbärmlich ab, zumal ihm auch noch jeder Funken Humor oder Ironie fehlen und er sich selbst so wahnsinnig wichtig nimmt.

Mir ist bewusst, dass für Coming-Out-Filme immer ein Bedarf besteht, weil die Botschaften, die sie vermitteln, zeitlos wichtig und wahr sind, und deswegen kann ich SHELTER - obwohl er mir überhaupt nicht gefallen hat - trotzdem jedem empfehlen, der noch nicht genug davon gesehen hat. Er ist hübsch anzuschauen und leidlich unterhaltsam, von einem Meisterwerk allerdings ist er Lichtjahre entfernt.

02/10

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