Mittwoch, 17. Februar 2010

Shanghai Surprise (1986)

Über Geschmack kann man ja bekanntlich nicht streiten, allerdings ist mir niemand bekannt, der SHANGHAI SURPRISE aus dem Jahr 1986, diesem verhinderten Starvehikel, das mit Pauken und Trompeten sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern durchfiel, etwas abgewinnen kann. Madonna selbst erklärte später: "Manchmal geht eben alles schief". Oh, wie wahr!

SHANGHAI SURPRISE spielt 1937 während des japanisch-chinesischen Krieges. Ein verlotterter Krawattenhändler (Sean Penn) und die Missionarin (!!) Madonna alias Gloria Tetlock werden von einem Rauschgifthändler benutzt, um eine große Menge Opium aufzuspüren...

1986 füllte die Skandal-Ehe von Sean Penn und Madonna sämtliche Klatschspalten, warum also nicht Kapital daraus schlagen und die beiden in eine Action-Romanze à la "Indiana Jones" stecken? Doch allein die Idee, Madonna als Missionarin zu besetzen, samt platinblond gefärbter Dauerwelle (sehr authentisch! Wäre nicht Mutter Theresa noch erfolgreicher gewesen mit etwas mehr Mut zu modischen Accessoires?), spottet jeder Beschreibung.

Das Drehbuch ist unglaublich ideenlos und uninspiriert, so plätschert der Film geschlagene 90 Minuten dahin, die sich wie 180 anfühlen, und versetzt auch den geneigtesten Zuschauer in Tiefschlaf. Die Idee, Penn als Verkäufer von Leuchtkrawatten (??) zu etablieren, soll skurril sein, ist aber nur dämlich. Die einzig ansehbare Sequenz zeigt den knackigen Penn nackig im Sitzbad einer chinesischen Verführerin, die das Kama Sutra rauf und runter beherrscht. Penn ist übrigens der einzige, der so etwas wie eine schauspielerische Leistung zeigt, alle anderen spielen im Auto-Pilot-Modus oder überlegen sich währenddessen, ihren Agenten zu verklagen.

Zu Madonna muss man sagen, dass sie nicht einen einzigen Satz überzeugend sprechen kann - ihre professionelle Synchronstimme hilft ungemein und lässt sie in der deutschen Fassung besser dastehen, im Original ist sie unerträglich. Der Reiz von SHANGHAI SURPRISE soll in der Screwball-Beziehung der Hauptfiguren bestehen, doch dafür braucht man ein Paar, das komödiantisches Timing beherrscht (witzige Dialoge würden ebenfalls helfen). Gegen die Stil- und Popikone Madonna will ich nichts sagen, aber als Schauspielerin war und bleibt sie unterirdisch. Man muss ja auch nicht alles können.

Produziert wurde SHANGHAI SURPRISE von Ex-Beatle George Harrison, und nicht einmal dessen für den Film geschriebene Songs können überzeugen. Alles in allem ist der Film eine einzige Katastrophe, die sich schon während der Dreharbeiten ankündigte. Es kam es zu ständigen Ausfällen, Penn prügelte sich mit Fotografen, Darsteller wurden gefeuert, die fertige Produktion verschlang 17 Millionen Dollar (die nicht zu sehen sind), eingespielt hat der Film in den USA ca. 2 davon. Zu einem "Kultfilm", wie es das DVD-Cover verspricht, ist es nie gekommen, er gehört nicht einmal zu den Filmen, die so schlecht sind, dass sie wieder gut unterhalten.
Harrison nannte den Film in einem späteren Interview "A Bloody Nightmare". Dem ist nichts hinzuzufügen.

Doch, eins noch: ich gestehe, ich habe seinerzeit den Film im Kino gesehen! Ich schäme mich zutiefst, aber ich war jung und hatte das Geld. Als unverbesserlicher Optimist/Masochist (und auf Anregung einer geschätzten Mit-Rezensentin) habe ich einen Blick in die DVD gewagt, um meine Meinung evtl. zu revidieren - aber nein. Das waren 90 Minuten meines Lebens, die mir niemand wiedergibt.

01/10

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