Mittwoch, 17. Februar 2010

September (1987)

SEPTEMBER gehört zu den am wenigsten zugänglichen Werken Woody Allens und ist dennoch (oder gerade deswegen) ein großes Meisterwerk des Kinos. Ähnlich wie in INNENLEBEN lässt Allen seiner Liebe zu den Filmen Ingmar Bergmans freien Lauf und erzählt eine minimale Geschichte an einem minimalen Schauplatz (ein Landhaus). Die Story: mehrere Familienmitglieder treffen übers Wochenende in besagtem Landhaus aufeinander. Während eines Sturms, der sie zwingt, daheim zu bleiben und sich miteinander zu beschäftigen, offenbaren sich unerwartete Familiengeheimnisse und Tragödien.

SEPTEMBER wurde von Woody Allen zweimal gedreht. In der ursprünglichen Version spielten Charles Durning, Maureen O'Sullivan und Christopher Walken, aber Allen empfand nach Drehende den Film als unbefriedigend und einige Rollen fehlbesetzt. Also wurde umbesetzt und das komplette Werk ein weiteres Mal gedreht. Im Grunde besteht der Film nur aus Dialogen, erzählt von Menschen, die miteinander sprechen - Tschechow trifft Bergman. Humor ist bewusst nicht vorhanden. Als Zuschauer braucht man eine Weile, um die Figuren, ihre Motivationen und ihre Nöte zu verstehen und sich mit ihnen zu identifizieren. Das Ansehen von SEPTEMBER verlangt viel Geduld. Die Figurenkonstellation ist außerordentlich komplex und doch ganz einfach - keiner der Charaktere ist glücklich, jeder ist in den falschen Menschen verliebt, und keiner hat eine glückliche Zukunft. Die Schauspieler - fast alles Allen-Stammschauspieler - agieren grandios, insbesondere Elaine Stritch als dominante Broadway-Mutter mit dunkler Vergangenheit. Die Geschichte von ihr und Filmtochter Mia Farrow (die Allen hier bewusst als Liv Ullman-Ersatz einsetzt, was sich sogar im Look der Schauspielerin niederschlägt) ist sehr deutlich an die Lebensgeschichte von Lana Turner angelehnt, deren Tochter den gewalttätigen Liebhaber ihrer Mutter in Notwehr tötete. Die vielleicht einzige Schwäche des Films besteht in der Auflösung eben jenes Familienunglücks, das sich bei näherer Betrachtung als relativ belanglos herausstellt und ein wenig dramatische Wucht vermissen lässt.
Ich kann jedem nur empfehlen, sich an SEPTEMBER heranzutrauen. Ich selbst fand den Film beim ersten Sehen zäh und anstrengend, beim zweiten Mal war ich - sozusagen vorgewarnt - begeistert und empfand ihn als Meisterwerk, weil es so viele Details zu entdecken gibt und der Film als Ganzes außerordentlich stilsicher und künstlerisch geschlossen ist. Dieses Gefühl ist auch nach wiederholtem Ansehen geblieben. Es lohnt sich!

07/10

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