Mittwoch, 17. Februar 2010

Sea of Love - Melodie des Todes (1989)

SEA OF LOVE aus dem Jahr 1989 ist mittlerweile ein moderner Klassiker des Thrillers, was hauptsächlich an Al Pacinos mitreißender Darstellung liegt. Doch der Film hat auch andere Qualitäten, die ihn weit über den Durchschnitt heben.

Pacino spielt Detective Frank Keller, der eine Mordserie aufklären muss, welcher mehrere Herren zum Opfer fallen, die auf eine Kontaktanzeige geantwortet haben. Als er der mutmaßlichen Täterin, der schönen Helen Cruger (Ellen Barkin) begegnet, lässt Frank sich spontan auf eine heiße Affäre ein und verliebt sich. Die Frage bleibt nur - ist Helen die gesuchte Mörderin? ...

An der Oberfläche ist SEA OF LOVE zunächst ein aufregender Thriller, der seine Spannung aus der Frage nach dem Täter bezieht. Doch SEA OF LOVE kann auch mehr. Der Film schildert detailgetreu und äußerst realistisch die Polizeiarbeit und das einsame Leben des geschiedenen Frank Keller, der gern zu viel trinkt und seine Ex-Frau mit nächtlichen Anrufen belästigt. Dazu zeichnet Regisseur Harold Becker ein tristes und authentisches Bild vom Großstadtleben jenseits aller Klischees. Wenn Pacino und sein Partner (großartig: John Goodman) verdeckt ermitteln und sich als Blind Dates tarnen, erleben wir eine Ansammlung von hilflosen, verhärteten und verzweifelten Menschen auf der Suche nach einem Partner. Niemand will alleine sein. Aber wenn man ein Gegenüber gefunden hat, kann man ihm nicht trauen.

Die Beziehung von Ellen Barkin und Pacino ist geprägt von gegenseitigem Misstrauen. "Die Großstadt...was die aus uns macht", sagt Pacino einmal. Die alleinerziehende Helen traut Männern so wenig über den Weg, dass sie eine Schreckschuss-Pistole in der Handtasche mit sich herumträgt - zum Schutz vor "Creeps". Damit wird SEA OF LOVE zum lupenreinen Film Noir, komplett mit Femme Fatale, gestörtem Helden und anonymer Großstadthölle. Die Stadt New York ist mehr als nur Kulisse, sie ist wichtiger Teil der Geschichte (sehr viele Szenen spielen an Originalschauplätzen und in der Öffentlichkeit, das Leben findet praktisch auf den Straßen statt). Das alles ist auf psychologischer Ebene so stimmig und spannend, dass man fast den Kriminalfall darüber vergisst. Tatsächlich wird die Auflösung fast aus dem Hut gezaubert, aber an diesem Punkt ist man viel mehr an Helen und Frank interessiert.

Und so düster das alles klingen mag - die große Kunst von SEA OF LOVE ist es, durchweg unterhaltsam und nie deprimierend zu sein, trotz seiner desillusionierenden Welt. Harold Becker findet in allem Übel auch immer eine Menge Komik. Nicht zuletzt sind es auch die Nebendarsteller, die Pacino genügend Raum lassen und Spitzenleistungen bieten. Ganz besonders trifft das auf Ellen Barkin zu, die kurz zuvor mit "The Big Easy" ihren Durchbruch hatte. Sie wird sehr spät eingeführt, aber mit der Sekunde ihres Auftritts knistert es gewaltig zwischen ihr und Pacino. Ihre ungewöhnliche Schönheit und laszive Körpersprache (allein ihr Fingerschnippen ist sexy) sind faszinierend zu beobachten. In einer sehr heißen Sequenz treffen sich Pacino und Barkin nachts auf ein erotisches Stelldichein im Supermarkt. Das stumme Spiel der beiden ist dabei ebenso sinnlich wie subtil-komisch.

Damit hat SEA OF LOVE gleich so viele Schauwerte, dass man ihn immer wieder sehen kann. Er gehört zu den besten Thrillern der späten 80er.

09/10

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