Mittwoch, 17. Februar 2010

Scoop - Der Knüller (2006)

Nach dem großartigen "Match Point" schien Woody Allen seine Durststrecke von schwächeren Filmen endlich beendet zu haben, insofern habe ich mich sehr auf "Scoop" gefreut (vielleicht war genau das der Fehler). Doch wie es so kommt, ich wurde herbe enttäuscht. "Scoop" gehört in eine Reihe mit Allens "Im Bann des Jade-Skorpions" und ist eine oberflächliche Krimi-Komödie, die weder spannend noch besonders komisch ist.

Die Story: bei der Show eines abgetakelten Zauberkünstlers (Woody Allen) begegnet einer jungen Nachwuchsreporterin (Scarlett Johansson) der Geist eines verstorbenen Enthüllungsjournalisten, der ihr die Identität eines gesuchten Serienmörders verrät (Hugh Jackman). Nun muss sie ihn nur noch überführen... aber wie?

Das Positive zuerst - es ist immer schön, Woody Allen selbst in seinen Filmen spielen zu sehen, und seine ungebremste Spielfreude ist nach wie vor einzigartig. Er hat sich selbst die besten Dialoge und Situationen geschrieben und ist für die einzigen (wenigen) Lacher verantwortlich.
Der Rest ist allerdings weniger erheiternd. Die Krimihandlung ist dermaßen naiv und unüberzeugend, dass sie nicht einmal in einem Kinderfilm glaubhaft wäre. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn Humor und Tempo stimmen würden, nur gibt es außer den angesprochenen typischen Allen-Momenten kaum Witz, und das Erzähltempo ist schleppend.

Dazu kommen die Darsteller. Der arme Hugh Jackman muss nur gut aussehen und lächeln, ansonsten hat er überhaupt nichts zu spielen. Scarlett Johansson muss leider die typische Woody Allen-Imitation geben, die mich schon bei Kenneth Brannagh in "Celebrity" und Will Ferrell in "Melinda und Melinda" unsäglich genervt hat. In jenen Filmen spielte Woody Allen nicht mit, insofern war die Entscheidung, einen "Ersatz" zu erschaffen, noch irgendwie nachvollziehbar, aber hier macht es nicht nur keinen Sinn, es ist regelrecht peinlich, denn Scarlett Johansson ist weder die geborene Komödiantin noch hat sie genug Erfahrung, um den typischen Allen (hyperaktives Sprechen, nervösen Gestus, neurotische Störungen) überzeugend zu spielen. Dazu wird sie auch noch von Kostüm und Maske wie eine Minderjährige ausstaffiert (samt Rucksack, Kniestrümpfen und Zahnspange), was nichts als Wasser auf die Mühlen der Woody Allen-Gegner ist, die in dem Regisseur immer den Lolita-Verführer sehen wollen. Wie soll man ihn da noch verteidigen? Zudem hat Johansson keine Chemie mit ihrem Co-Star Jackman, die beiden wirken immer wie für ein Publicity-Foto zusammengestellt, nicht wie romantische Helden.

Ich erwarte nicht von jedem Allen-Film intellektuelle Tiefgründigkeit, ich kann mich auch an leichteren Komödien wie "Small Time Crooks" erfreuen. Aber nicht einmal diese quirlige Qualität erreicht "Scoop" und ist deswegen für mich vielleicht der schwächste aller Allen-Filme, so ungern ich das auch sage. Wenn er selbst nicht den einen oder anderen sarkastischen und intelligenten Moment im Film hätte, könnte ich nicht einmal zwei Sterne vergeben. Empfehlen kann ich ihn eigentlich nur Zuschauern, die sonst eher nichts mit Woody Allen-Filmen anfangen können. Man darf allerdings bei Woody Allen immer gespannt sein, was als Nächstes kommt.

02/10

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