Mittwoch, 17. Februar 2010

Schwarzer Engel (1976)

Bei einer Entführung sterben Gattin und Tochter eines Südstaaten-Geschäftsmannes (Cliff Robertson) auf tragische Weise. Jahre später begegnet er in Florenz einer jungen Frau (Geneviève Bujold), die seiner ums Leben gekommenen Ehefrau zum Verwechseln ähnlich sieht...

Brian De Palmas OBSESSION von 1976 gehört zu den unbekannteren Filmen des Regisseurs, leider völlig zu Unrecht. Es erübrigt sich zu sagen, dass es sich bei der Geschichte um ein Quasi-Remake von "Vertigo" handelt (zumal die Besessenheit De Palmas zu Hitchcock ja allgemein bekannt ist), doch auch andere Filme des Meisters werden ausgiebig zitiert, etwa "Bei Anruf Mord", wenn Cliff Robertson im Zweikampf mit John Lithgow seine Hand nach einer Schere ausstreckt, oder auch "Rebecca", wenn Geneviève Bujold vor dem mächtigen Bildnis der toten Gattin steht. Während der Plot die "Vertigo"-Geschichte raffiniert variiert (Buch: Paul Schrader, "Taxi Driver"), geht De Palma aber stilistisch völlig andere Wege als Hitchcock. Er inszeniert eine große Oper, nutzt alle erdenklichen optischen Tricks, um maximales Gefühl beim Zuschauer zu erzeugen.

So kann man OBSESSION auch als tragische Oper in drei Akten verstehen. Cliff Robertson wurde gelegentlich etwas hölzernes Spiel vorgeworfen, aber als gebrochener Mann, der zu neuem Leben erwacht, ist er ideal besetzt. Geneviève Bujold spielt ihre Doppelrolle mit Anmut, Leidenschaft und Hingabe, insbesondere in der unglaublichen Schluss-Sequenz. Und wem das noch nicht reicht: Komponist Bernard Herrmann liefert hier einen seiner größten, gewaltigsten und besten Scores ab, der für sich schon ein Erlebnis ist, und für den er posthum mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde. OBSESSION ist und bleibt ein zeitloser optischer Genuss und dazu noch mörderisch spannend. Ein Meisterwerk des modernen Film Noir.

10/10

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