Sonntag, 14. Februar 2010

Schloss des Schreckens (1961)

SCHLOSS DES SCHRECKENS (The Innocents) aus dem Jahr 1961 gehört zu den wundervollsten und anspruchsvollsten Gruselfilmen aller Zeiten.

Von der betörenden Schwarzweiß-Fotografie über die exquisiten Darstellungen bis zur scharfsinnigen Regie Jack Claytons wurde die berühmte Vorlage von Henry James ("The Turning of the Screw") stimmungsvoll und faszinierend auf Film übertragen, ohne dabei die Essenz der Geschichte und die vielen Implikationen zu verlieren.

Die Geschichte scheint simpel: im späten 19. Jahrhundert übernimmt die junge Miss Giddens (Deborah Kerr) eine Stelle als Gouvernante zweier Kinder in einem einsamen Landhaus. Kurz nach ihrer Ankunft häufen sich jedoch unheimliche Ereignisse, und die lieblichen Kinder scheinen unter dem Einfluss der verstorbenen ehemaligen Dienerschaft zu stehen. Oder bildet sich Miss Giddens nur alles ein? Und wenn ja, warum...?

Schemenhafte Gesichter hinter beschlagenen Fensterscheiben, funkelnde Augen in der Nacht, Stimmen im Dunkeln, Kinder, die sich plötzlich seltsam erwachsen benehmen... SCHLOSS DES SCHRECKENS beherzigt alles, was einen guten Horrorfilm ausmacht (und was so viele schlechte Horrorfilme ignorieren): er zieht den Zuschauer mit subtilen Andeutungen in seinen Bann, er kreiert eine unheilschwangere Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann, wirft intelligente Fragen über die Wahrhaftigkeit der Ereignisse auf und spielt mit Ängsten, die weit über billige Schockeffekte hinausgehen.

Unterdrückte Sexualität, Mutterinstinkte, die Kraft der Suggestion, unbearbeitete Sünden der Vergangenheit und falsch verstandene Psychologie sind die Themen unter der Oberfläche. Miss Giddens selbst ist das größte Mysterium. Zunächst die tatkräftige Heldin von sanfter Schönheit, wandelt sie sich immer mehr zur besessenen Exorzistin, die um jeden Preis die Kinder von einer unsichtbaren Macht befreien will und dabei alle Grenzen überschreitet. Ist vielleicht ihre eigene Erziehung im strengen Pfarrhaus Schuld an ihren Wahnvorstellungen, ist vielleicht sie selbst das Monster des Hauses? Deborah Kerr spielt hier eine ihrer besten Rollen und trägt den kompletten Film mit einer sehr differenzierten Darstellung, in der sich viel mehr findet als auf den ersten Blick erscheinen mag...

10/10







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