Dienstag, 16. Februar 2010

Schlingen der Angst (1948)

Die große Stärke von Douglas Sirk waren schillernde Melodramen, in denen er Höchstleistungen aus seinen Hauptdarstellerinnen herausholte und unvergessliche Filme schuf ("Solange es Menschen gibt", "Die wunderbare Macht"). "Schlingen der Angst" ist einer seiner seltenen Psycho-Thriller und kann leider nicht recht überzeugen.

Die Geschichte ist schnell erzählt - Claudette Colbert spielt eine Ehefrau, die von ihrem fremdgehenden Gatten (Don Ameche) gemeinsam mit seiner Geliebten (Hazel Brooks) in den Tod getrieben werden soll. Dazu flößt er ihr Medikamente ein, die sie schlafwandeln und an ihrem Verstand zweifeln lassen. Erst die Bekanntschaft mit dem netten Bruce (Robert Cummings) sorgt für ihr "Erwachen"...

Klingt spannend, ist es aber nur stellenweise. Die Darsteller mühen sich redlich, doch ihre Charaktere sind durch die Bank eindimensional. Robert Cummings ist der nette Amerikaner, Colbert die verzweifelte Ehefrau, und Hazel Brooks spielt eine Femme Fatale aus der Klischee-Schublade. Ihre Auftritte sind eher unfreiwillig komisch als furchteinflößend. Allein Don Ameche darf ein doppeltes Spiel spielen, doch auch seine Motivation für den Gattinnen-Mord ist viel zu simpel. Der teuflische Plan wird vom Film lange verschleiert, doch jeder Zuschauer kann ihn nach wenigen Minuten ahnen. Dass Colbert selbst nie auf den Gedanken kommt, ihr Mann könne hinter allem stecken, macht ihre Filmfigur äußerst dümmlich.

Der Plot dominiert hier eindeutig die Figuren. So hat "Schlingen der Angst" auch wahrlich nichts mit den Werken des großen Alfred Hitchcock zu tun, dem es immer um viel mehr ging als die Durchführung schlichter Mordpläne. So ist "Schlingen der Angst" eher vergleichbar mit späteren "Frauen in Gefahr"-Thrillern wie etwa "Mitternachtsspitzen". Visuell bietet Sirk auch nicht allzu viel. Die Ausleuchtung ist gut, das Spiel mit Licht und Schatten schafft einige sehr atmosphärische Szenen, aber auch diese sind eher hübsch als bedeutsam.
Trotzdem ist "Schlingen der Angst" kein Reinfall. In nostalgischer Stimmung kann man ihn gut anschauen, er ist nie wirklich langweilig und kann über seine Lauflänge durchaus unterhalten, wenn man nicht zuviel erwartet.

06/10

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