Samstag, 13. Februar 2010

Schlag 12 in London (1960)

Im Zuge der Klassiker-Verfilmungen der britischen Hammer-Studios durfte natürlich auch einer der berühmtesten Stoffe, Robert L. Stevensons "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" nicht fehlen.

Der bereits erprobte Regisseur Terence Fisher inszenierte die bekannte Story 1960 als SCHLAG 12 IN LONDON (The Two Faces of Dr. Jekyll). Der Film verzichtet erstmalig auf die Idee, den veränderten Doktor als Monster oder das personifizierte Böse zu zeigen, sondern nähert sich mehr dem Geist der Vorlage und bemüht sich um eine psychologisch stimmige Erzählung, in der Mr. Hyde tatsächlich die ungelebten Wünsche und Sehnsüchte des Doktors verkörpert und damit die Doppelmoral seiner Zeit spiegelt.
Hier wird aus dem zurückgezogenen Langweiler Dr. Jekyll nach Einnahme seines Serums ein attraktiver, draufgängerischer Mr. Hyde, der gesteigerte Lust an den sinnlosen Freuden des Lebens (wie Alkohol und Sex) findet. Paul Massie spielt seine unterschiedlichen Charaktere überzeugend und besonders den Hyde mit viel Energie, der wahre Star aber ist - wie könnte es anders sein? - Christopher Lee, der nach eigenen Aussagen gern die Titelrolle übernommen hätte, hier aber nur die zweite Geige als Hydes Rivale und Mitglied einer dekadenten Gesellschaft spielen muss. Lee wirkt dabei äußerst entspannt, amüsant und ist als eleganter Frauenverführer durchaus sexy.
Dawn Addams hat leider als Jekylls frustrierte Ehefrau eine eher undankbare Aufgabe. Einen furiosen Gastauftritt liefert der junge Oliver Reed ab. Insgesamt fehlt es Fishers Film ein wenig an Tempo, und er schafft es nicht wirklich, den Zuschauer durchgängig zu packen, man muss aber dazu sagen, dass es wohl keine wirklich in allen Punkten zufriedenstellende Verfilmung des Stoffes gibt (der auf dem Papier deutlich besser funktioniert).

Dafür aber ist SCHLAG 12 IN LONDON üppig und farbenfroh ausgestattet, die Kameraarbeit ist hervorragend, und die Darsteller machen den Film sehenswert. Unter den gefühlten hundert Verfilmungen der Geschichte rangiert Fishers Film im oberen Drittel. Mit Fishers Hammer-Klassikern "Dracula" oder "Frankensteins Rache" kann er aber nicht ganz mithalten.

06/10

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