Samstag, 13. Februar 2010

Satanische Spiele (1967)

Das wohlhabende, aber gelangweilte Ehepaar Paul und Jennifer Montgomery (James Caan und Katharine Ross) nimmt die ältere Kosmetikverkäuferin Lisa Schindler (Simone Signoret) nach einem Schwächeanfall bei sich zu Haue auf. Gemeinsam peppen sie ihren Alltag durch bizarre Spiele, böse Streiche und Russisches Roulette auf. Bis plötzlich ein Toter in der Küche liegt und niemand mehr weiß, was genau noch Spiel und was tödlicher Ernst ist...

Der Psycho-Thriller SATANISCHE SPIELE (Games) aus dem Jahr 1967 beginnt sehr originell - nach einem stylischen 60er-Vorspann fährt eine schwarze Kutsche bei Nacht und Nebel vor, und seltsam gekleidete Menschen finden sich zu einer mehr als barocken Party im Haus der Montgomerys ein. Kurz weiß man nicht, in welcher Zeit der Film überhaupt angesiedelt ist, bis ein Pop-Art Lichtenstein zwischen den antiken Kunstwerken im Haus zu sehen ist. Regisseur Curtis Harrington spielt schon hier geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer und setzt diese auch konsequent fort. Lange wird man im Unklaren gelassen, worauf der Thriller eigentlich hinaus will. Die Dreiecksbeziehung von Caan, Ross und Signoret und ihr Spaß an geschmacklosen bis gefährlichen Spielchen aber bleibt spannend und mysteriös - wenngleich das eher langsame Tempo ein modernes, action-orientiertes Publikum leicht langweilen könnte.
Nachdem der oben erwähnte Mord stattfindet, ahnt man allerdings rasch, dass hier sehr geschickt "Die Teuflischen" kopiert wird, worauf man allein schon aufgrund der Anwesenheit von Madame Signoret kommt. Plötzlich setzen sich Hausfahrstühle von alleine in Gang, Blutspuren tauchen auf und verschwinden, eine magische Glaskugel macht sich selbstständig, Signorets Tarotkartenspiel zeigt auffällig oft die Todeskarte, und Frau Ross muss mit Kerzenleuchter in der Hand durch wehende Vorhänge um ihr Leben kreischen. Das macht am Ende zwar herzlich wenig Sinn, und die Logik segelt weit zum Fenster hinaus, aber für den nostalgischen Gruselfreund gibt es hier viel zu genießen.

Technisch ist der Film einwandfrei inszeniert, die Cinemascope-Kamera schweift geradezu in leuchtenden Farben und bizarren Sets. Der Film spielt fast ausschließlich im grandios eingerichteten Haus der Montgomerys, Außenaufnahmen gibt es so gut wie gar nicht. Simone Signorets deutscher Rollenname (und Vergangenheit) wurde übrigens in der Synchronfassung zu einer Ungarin namens Ilona Serenci umgewandelt, weil den Verantwortlichen das Ganze wohl ein bisschen zu heiß war. Signoret hat zwar (in der O-Fassung) einige Probleme mit der englischen Sprache, aber ihre Mitwirkung veredelt den Film ungemein. An ihrer Seite überzeugen der jungenhaft-männliche James Caan sowie die aparte Katharine Ross, die kurz darauf mit "Die Reifeprüfung" ihren Durchbruch haben sollte.

Curtis Harrington war ein exzellenter und vollkommen unterschätzter Regisseur intelligenter Psycho-Spannung mit besonderem Talent für weibliche Hirngespinste. Sein bester Film "Was ist denn bloß mit Helen los?" sollte dringend auf DVD veröffentlicht werden. SATANISCHE SPIELE ist kein Meilenstein des Horrorfilms, aber sehr nostalgische Unterhaltung mit prickelndem 60er-Flair, für Menschen wie mich, die Thriller im Stil von Wiegenlied für eine Leiche mögen.

07/10

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