Samstag, 13. Februar 2010

Sabrina (1954)

Chauffeurs-Töchterchen Sabrina (Audrey Hepburn) ist unsterblich verliebt in David (William Holden), Playboy und Arbeitgeber ihres Vaters. Eine Hochzeit der beiden könnte aber ein wichtiges Familiengeschäft ruinieren. Also übernimmt Davids Bruder Linus (Humphrey Bogart) die Aufgabe, Sabrina auf andere Gedanken zu bringen. Und schon befinden wir uns in den romantischsten Verwicklungen...

Die Entstehungsgeschichte von Billy Wilders SABRINA (1954) könnte einen ebenso turbulenten Film abgeben wie SABRINA selbst. Samuel Taylor, Drehbuchautor und Verfasser der Bühnenvorlage "Sabrina Fair", stieg aus dem Projekt aus, weil er die Änderungen von Wilder nicht akzeptieren wollte. Unter enormem Zeitdruck schrieb Wilder mit Ernest Lehman ("Der unsichtbare Dritte") weiter, was man dem Film überhaupt nicht anmerkt. Der von Wilder gewünschte Cary Grant lehnte die Rolle des Linus in letzter Minute ab, Bogart und Wilder wiederum konnten sich nach eigenen Aussagen nicht ausstehen (Bogart konnte auch Holden und Hepburn nicht leiden und hätte lieber Ehefrau Lauren Bacall in der Rolle der Sabrina gesehen). Wilder rächte sich für Bogarts Beleidigungen, indem er ihn bis kurz vor Ende der Dreharbeiten im Dunkeln über den Ausgang der Geschichte ließ. Dass Bogart sich unwohl fühlte, merkt man SABRINA an, aber es erhöht ironischerweise die Wirkung bzw. macht den Liebeskonflikt des älteren Linus glaubwürdiger.

Egal, der Film gehört ohnehin Audrey Hepburn. Sie ist vom ersten Moment an, wenn sie vom Baum aus heimlich die elegante Party der Familie beobachtet, anbetungswürdig liebreizend und schön. Ihre Chemie mit Holden ist deutlich stimmiger als die mit Bogart, aber auch das passt zum Film. Besonders köstlich agiert Walter Hampden als leicht angetrotteltes Familienoberhaupt, der ewig braucht, um eine Olive aus dem Glas zu bekommen.
Wilders Sympathie gehört wie immer den Angestellten (mehr als ein Hauch von Lubitsch). Für Chauffeurs-Papa John Williams ist das Leben wie eine Limousine - es gibt Leute, die sitzen vorne, und die anderen sitzen hinten, mit einer Scheibe dazwischen. Sabrina/Audrey beweist, dass Liebe keine Trennscheiben kennt. Schöne Botschaft, schöner Film. SABRINA gehört nicht zu Wilders verrückteren Komödien und lädt eher zum Schmunzeln und Schwärmen ein, aber als altmodisches Märchen mit wunderbaren Schauspielern ist er immer wieder hinreißend. Und so viel besser als das blutleere Remake von 1995. Wer könnte auch Audrey oder Wilder je das Wasser reichen?

09/10

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