Sonntag, 14. Februar 2010

Sabotage (1936)

Alfred Hitchcocks SABOTAGE aus dem Jahr 1936 gehört zweifellos zu den besten britischen Werken des Meisters, auch wenn er bei weitem nicht so bekannt ist wie etwa die "39 Stufen" aus dem Jahr zuvor. In SABOTAGE spielt die junge Sylvia Sidney die Frau eines Londoner Kinobetreibers (Oskar Homolka), der hinter seiner bürgerlichen Tarnung für einige Sabotageakte und Bombenlegungen verantwortlich ist. Um ihn zu überführen, macht sich ein junger Scotland Yard-Beamter (John Loder) undercover als Gemüsehändler an die Gattin heran - mit tödlichen Konsequenzen...

SABOTAGE ist so reich an komplexen Themen und dabei so schlicht und einfach erzählt, mit genauem Blick auf seine Figuren und ihr Milieu, dass er bei jedem Sehen besser wird. Sylvia Sidney geht jenseits der typisch Hitchcockschen Blondine als absolut authentische, sensible und bemitleidenswerte Figur durch den Film und spielt ihre Rolle anrührend und nuancenreich. Sie ist vielleicht die sympathischste und verlorenste Heldin im gesamten Schaffen des Regisseurs ("Rebecca" eingeschlossen).

Über den Handlungsablauf soll hier nicht mehr verraten werden, doch Hitchcock baut in der zweiten Hälfte eine überraschende Wendung ein, die das Publikum so hart trifft wie Jahrzehnte später Janet Leighs "Psycho"-Tod in der Dusche. Das Spionage-Drama wird so zur Tragödie und hinterlässt einen mehr als bitteren Nachgeschmack. Hitchcock erklärte später im Gespräch mit Francois Truffaut, dass diese Wendung ein Fehler war und er dadurch die Sympathien des Zuschauers verlor, doch sind es genau diese mutigen Entscheidungen, die Hitchcocks Filme bereichern, nicht schwächen.

Zudem wimmelt es in SABOTAGE an großartigen Momenten. Etwa wenn Sylvia Sidney im Kinosaal die Nachricht eines Todes verarbeiten muss, während das versammelte Publikum um sie herum schallend über den Zeichntrickfilm auf der Leinwand lacht. Viele von Hitchcocks Obsessionen finden sich in SABOTAGE - so wird etwa eine Bombe in einem Vogelkäfig versteckt, ein Mord wird ohne dramatische Inszenierung oder Musikbegleitung fast wie beiläufig am Esstisch verübt. Der männliche "Held" und Polizist ist ein Schwächling, der die Gutmütigkeit und Armut von Sylvia Sidney ausnutzt und nichts erreicht. Das Drama der Familie spielt sich unabhängig von ihm ab. Und schließlich - der Terrorismus kennt keine Sieger oder Märtyrer, nur Verbrecher und unschuldige Opfer. Hier zeigt sich ein Hitchcock aus dem Jahr 1936 aktueller denn je. Bemerkenswert!

09/10

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