Sonntag, 14. Februar 2010

Rosemary's Baby (1968)

Wird die hübsche junge Rosemary vom Teufel persönlich geschwängert, befindet sie sich in den Fängen eines bizarren Kults, der ihr ungeborenes Baby für seine Rituale benötigt, oder bildet sich die streng katholisch erzogene Rosemary vielleicht alles nur ein?

Viele Fragen in einem vielschichtigen Meisterwerk der Filmgeschichte. Für mich einer der besten fünf Horrorfilme aller Zeiten (zu denen ich auch Polanskis "Mieter" zähle), sowie einer der wichtigsten amerikanischen Filme der 60er, der weltweit ein Riesenerfolg wurde und noch heute Regisseure beeinflusst: ROSEMARY'S BABY von Roman Polanski aus dem Jahr 1968. Produziert von William Castle, der beinahe selbst die Regie übernommen hätte, hält Polanski stets die Balance zwischen Horror und psychologischem Thriller, kommerziellem Mainstream und eigenwilligem Arthaus sowie dem alten und dem "neuen" Hollywood der kommenden 70er. Ebenso wie es Hitchcock in "Psycho" meisterhaft verstand, Gothic Horror mit modernem Alltag zu kombinieren, fügt Polanski alles Unheimliche und Mysteriöse in eine banale Alltagswelt.

So treffen Urgesteine des Hollywood-Kinos wie Ralph Bellamy und Maurice Evans auf die ultramoderne Mia Farrow mit Vidal Sassoon-Haarschnitt. Das unheimliche Wohnhaus, das Rosemary bewohnt, steht im sonnigen New York. Polanski bleibt dabei der Romanvorlage von Ira Levin bis ins Detail treu - das geht soweit, dass Kleidermuster und Einrichtungen aus dem Buch übernommen werden. Seine größte Stärke aber liegt in der Vieldeutigkeit. Tatsächlich gibt es keinen Beleg im Film für das Vorhandensein irgend etwas Übernatürlichen. Alles, was Rosemary erlebt, könnte sich aufgrund einer wachsenden Schwangerschafts-Paranoia auch in ihrem Kopf abspielen, wo sie nebensächlichste Details wie das Mousse au Chocolat von Nachbarin Ruth Gordon als Giftmischung fehlinterpretiert. Begleitet von den beunruhigenden Klängen Krzysztof Komedas verbreitet ROSEMARYS BABY eine derart nervenzerrende, bedrohliche Sogwirkung, dass der geneigte Zuschauer (der mehr Wert auf Atmosphäre als herumfliegende Körperteile legen sollte) atemlos mit der armen Rosemary mitfiebert, die von Mia Farrow unglaublich authentisch und zerbrechlich dargestellt wird.

Als groteske Nachbarin, die gerne unaufgefordert klingelt und vorbeischaut (wieder ein "realer" Horror, mit dem sich viele Zuschauer identifizieren können), reißt Ruth Gordon ("Harold und Maude") jede Szene an sich und hat einen verdienten Oscar (sowie den Golden Globe) erhalten. Der Film selbst gehört zum Besten, was Hollywood in den späten 60ern produziert hat. Ich empfehle ihn besonders denen, die sonst um Horrorfilme einen großen Bogen machen, denn er ist so viel mehr, schlicht ein Meisterwerk der Spannung, großartig gespielt, extrem publikumsfreundlich und mit seinen vielen Subtexten auch nach unzähligem Sehen immer ein neues Erlebnis.

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...