Samstag, 13. Februar 2010

Rocco und seine Brüder (1960)

Luchino Viscontis vielfach preisgekröntes, episches Drama ROCCO UND SEINE BRÜDER (1960) erzählt von vier Brüdern, die mit ihrer verwitweten Mutter nach Mailand ziehen, um der Armut zu entfliehen und in der Stadt ihr Glück zu versuchen. Die anfängliche Aufbruchsstimmung weicht bald der totalen Ernüchterung und mündet schließlich in Feindschaft, Hass und Mord.

Viscontis Familiendrama gehört zu den großen Klassikern des Neorealismus' (dessen Zeit fast vorbei war) und steht auf einer Stufe mit Werken wie Rossellinis "Rom - offene Stadt". Er ist komplex in Inhalt und Struktur, gleichzeitig schonungslos realistisch und melodramatisch, mit Hang zur großen Oper. Detailversessen und in wundervollen, kraftvollen Schwarzweiß-Bildern erzählt Visconti von einer modernen Großstadt-Gesellschaft, gegen die man keine Chance hat, selbst wenn man im Familienbund gegen sie ankämpft - so lange, bis sich die einst Verbündeten selbst bekämpfen und vernichten, ohne es zu merken oder etwas dagegen unternehmen zu können. Der Abstieg ist unaufhaltsam, das bittere Ende gnadenlos.

Die Schauspieler liefern hervorragende Vorstellungen ab, allen voran Alain Delon, dessen Darstellung ihn über Nacht zum Superstar katapultierte (er sah zudem nie besser aus), und ganz besonders Annie Girardot, die einen neurotischen, schwierig zu fassenden und extremen Charakter jenseits aller Prostituierten-Klischees verkörpert.

Mit seinen annähernd drei Stunden Länge zu keiner Sekunde langweilig, bleibt ROCCO UND SEINE BRÜDER für alle Zeiten ein absolutes Juwel des Kinos. Man kann ihn immer wieder sehen und Neues entdecken, und er ist ein wunderbarer Gegenentwurf zum Hollywood-Kino, dessen Mitteln er sich zwar bedient, dabei aber eine völlig andere Filmsprache entwickelt.

10/10

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