Mittwoch, 17. Februar 2010

Requiem for a Dream (2000)

Es wird alles gut. Am Ende wird alles gut.

Das sagt Ellen Burstyn gleich zu Beginn, als ihr drogensüchtiger Sohn Jared Leto den Fernseher aus ihrer Wohnung holt, um ihn zu versetzen, wie so oft. Sie kennt das schon. Aber gut wird am Ende alles nicht.
Im Gegenteil.

REQUIEM FOR A DREAM (Requiem for a Dream) ist nicht nur einer der besten Filme des Jahrzehnts, er ist viel mehr als das - er ist eine Erfahrung. Ich habe sehr viele Filme in meinem Leben gesehen und bin ein Freund von Horrorfilmen, aber kein Film, und ich meine kein einziger hat mich so mitgenommen, ausgelaugt und frustriert und erledigt zurückgelassen wie "Requiem". Das Drama hat die Kraft und die Wucht, den Zuschauer direkt und körperlich krank und depressiv zu machen. Das ist keine Warnung, sondern eine Empfehlung!

Die Story: Vier Menschen (Burstyn, Leto, Jennifer Connelly und Marlon Wayans), die sich mit ihren Suchtmitteln (Heroin, Kokain, Speed, Diätpillen) gnadenlos zerstören und ein Schicksal erleben, das schlimmer als der Tod ist. Mehr nicht. Und das reicht auch.

Regisseur Darren Aronofsky ("Pi") nutzt sämtliche Möglichkeiten der filmischen Erzählweise aus, von Split Screen über frenetische Schnittmontagen (die letzten 15 Minuten sind ein einziger Rausch an Bildern und Sounds) bis zu digitalen Effekten. Trotz des eher poetischen Titels ist "Requiem" schnell, hart und brutal. Und doch schafft er es, neben all den visuellen und akustischen Sensationen, echtes Mitgefühl für seine Charaktere zu erzeugen.

Die darstellerischen Leistungen sind schlicht brillant. Besonders Ellen Burstyn bekommt von Aronofsky genug Gelegenheit, ihre ganze Bandbreite zu zeigen, als Gegenleistung muss sie sich der gnadenlos sezierenden Kamera aussetzen und zeigt dabei keinerlei Scheu. Ihre Vorstellung ist so unglaublich, dass man sie kaum in Worte fassen kann (und was für eine Absurdität, dass Julia Roberts mit ihren Wonderbras in "Erin Brokovich" Ellen Burstyn bei den Oscars übertrumpft hat!). Jennifer Connelly bietet hier die beste Leistung ihrer Karriere, und auch Jared Leto spielt überragend den süchtigen Gelegenheitsdealer, der am Ende mehr verliert als er je befürchten konnte.

Grandios ist auch die ebenso eindringliche und brutale Musik von Clint Mansell, eingespielt vom Kronos Quartett und mittlerweile Standard bei Filmtrailern. Alle, vor und hinter der Kamera, haben sich diesem Projekt verschrieben, das ist in jeder Filmminute offensichtlich. Ich denke übrigens nicht, dass die Jugendfreigabe ab 16 ein Problem ist (in den USA kam der Film "unrated" in die Kinos, nachdem der Regisseur verschiedene Schnittauflagen verweigerte, was seinen kommerziellen Tod bedeutete - eine Schande!). Vielleicht sind einige der grotesken und surrealen Bilder zuviel für Jugendliche (mit Sicherheit), aber ich kann nur sagen, dass ich seit diesem Film jede Aspirin mit Misstrauen betrachte. Selten hat ein Film Drogensucht so wenig glorifiziert und körperlich spürbar gemacht wie "Requiem".

Das alles soll nicht abschrecken - ja, der Film zieht runter, lässt den Zuschauer mit einem leeren und tieftraurigen Gefühl zurück (und ist doch so weit vom Kitsch entfernt). Und nein, der Film ist sicher nichts für jedermann. "Requiem" ist ein Film, der nicht nur unter die Haut geht - er schlägt einem mit der Faust ins Gesicht und in den Magen. Man möchte wegsehen, aber man kann es nicht. Der pure Wahnsinn.

10/10

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