Samstag, 13. Februar 2010

Reise aus der Vergangenheit (1942)

REISE AUS DER VERGANGENHEIT (Now, Voyager) aus dem Jahr 1942 war einer der größten Erfolge in Bette Davis' Laufbahn und gehört heute noch zu den meistgeliebten Filmen ihrer Fans. Wenn man ihn sieht, versteht man sofort, warum, denn obwohl es sich hier um ein tränenreiches Frauen-Melodram erster Güte handelt, umgeht Regisseur Irving Rapper jeden übertriebenen Kitsch, schafft zahlreiche interessante Subtexte, treibt die Handlung stets nach vorne und hat ein Ensemble zur Hand, das jeden Film aufwertet.

In der zentralen Rolle der gedemütigten Charlotte Vale, die im Haus ihrer tyrannischen Mutter (Glady Cooper) zur alten Jungfer verkommt, sich dann mit Hilfe eines mitfühlenden Psychiaters (Claude Rains) in einen schönen Schwan verwandelt und die große Liebe ihres Lebens (Paul Henreid) kennenlernt, der ihr Stolz und Selbstvertrauen schenkt, leider aber bereits verheiratet ist, beherrscht Bette Davis mit ihrer Kunst den gesamten Film. Davis gehörte zu den uneitelsten Schauspielerinnen Hollywoods, die für die Authentizität ihrer Charaktere ohne Zögern auf jeden Glamour verzichtete (ihr berühmter Ausspruch: "Ich bin kein Star, ich bin eine Schauspielerin!"), darf hier ihre gesamte Bandbreite ausspielen. An ihrer Seite agieren ein wie immer souveräner Claude Rains und der elegante Paul Henreid, der Bette Davis mehrfach eine Zigarette reicht, die er sich zusammen mit seiner eigenen angezündet hat - ein berühmtes Markenzeichen des Films und eine wunderbare Geste.

REISE AUS DER VERGANGENHEIT beschreibt die Geschichte einer Emanzipation, und zwar in vielerlei Hinsicht, das macht ihn heute noch so sehenswert. Die unterdrückte Charlotte funktioniert dabei bestens als Identifikationsfigur. Wer sich jemals von etwas oder jemandem befreien wollte, findet sich in ihr wieder. Die besten Szenen gehören deshalb auch nicht der Liebesgeschichte, sondern dem Mutter/Tochter-Konflikt. Da knistert es vor Spannung, wenn die gereifte Charlotte ins Haus ihrer Mutter zurückkehrt und niemand weiß, wie beide aufeinander reagieren werden, in alte Muster zurückfallen oder neu anfangen. Ihre Auseinandersetzungen (eine davon endet fatal) sind brillant geschrieben und inszeniert. Davis und Cooper erhielten Oscar-Nominierungen, die exzellente Musik von Max Steiner gewann die Trophäe. Henreid und Rains spielten im selben Jahr zusammen in "Casablanca". Regisseur Irving Rapper inszenierte mit Bette Davis 1946 noch den Klassiker "Trügerische Leidenschaft".

Müsste ich etwas am Film kritisieren, wäre es die kurze Passage nach Davis' Ankunft in Rio, wo ein einheimischer Taxifahrer sich sehr dümmlich anstellen muss, um einen Unfall zu bauen, der Davis und Henreid Gelegenheit für eine romantische Nacht bietet. Diese Sequenz soll komisch sein, ist aber heute nur noch furchtbar. Ansonsten handelt es sich hier um einen verdienten Klassiker des Melodrams, einen hinreißenden Frauenfilm über große Gefühle, großen Verzicht und die verschiedenen Formen der Liebe, über noble Gesten, Urlaubslieben und böse alte Damen. Für Bette Davis-Fans ist der Film ein Muss.

09/10

Kommentare:

  1. Ertappt! Ich bin überzeugter Bette Davis Fan und dieser Film gehört eindeutig zu meinen meistgeliebten Davis Klassikern. ;-)

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  2. Und hätte fast "Dark Victory" vergessen...

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  3. Da können wir uns die Hand reichen. Ich liebe diesen, "The Letter", "The Little Foxes" und "Deception" ohne Ende.

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  4. In "The Letter" ist sie ja wohl auch ganz wunderbar. Und auch wenn ich jetzt ein Kopfschütteln ernte, ich liebe sie (und ihre Manierismen) auch in "Günstling einer Königin" - sehr sogar!

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  5. Da finde ich sie auch klasse, der Film an sich aber gefällt mir nicht so sehr.

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