Mittwoch, 17. Februar 2010

Rabid (1977)

RABID folgte Cronenbergs erfolgreichem Erstling "Shivers" und gilt als schwächerer Beitrag, dabei besitzt er einige fantastische Qualitäten. Erzählt wird die Geschichte der jungen Rose (Marilyn Chambers, mehr dazu gleich), die nach einem schlimmen Motorrad-Unfall in einer Spezialklinik eine Transplantation erhält, die schreckliche Folgen hat - Rose entwickelt ein zusätzliches Organ in der Achselhöhle, das sie zu einer mordenden Bestie macht. Ihre Opfer werden zu ebenso blutrünstigen Zombies, die bald ganz Montreal verseuchen, während sich die zarte Rose weiterhin keiner Schuld bewusst ist...

Mit äußerst bescheidenen Mitteln schafft Cronenberg es erneut, den kompletten Zusammenbruch der Gesellschaftsordnung im Mikrokosmos darzustellen. Die "Zombies" sind mit ihren schäumenden Mündern und blass-grünen Gesichtern deutlich von Romero inspiriert, das gilt auch für die Militärs in Gasmasken und weißen Schutzanzügen, die direkt aus "Crazies" zu kommen scheinen und alles abknallen, was ihnen vor die Mündung kommt.

RABID ist ein kalter, liebloser Film (hier sei besonders das erschreckend zynische Ende erwähnt), die Stimmung ist winterlich-verschneit, die Sets sind banal, alltäglich, die Ausbreitung der Epidemie unaufhaltsam, weder Polizei noch Militär oder Wissenschaft können sie stoppen. Auf den Straßen regieren Wahnsinn und Blutrausch, in einer Shopping Mall wird ein Weihnachtsmann nebenbei erschossen, Kleinkinder mutieren zu Monstern. Für die Hauptrolle wollte Cronenberg ursprünglich die damals noch unbekannte Sissy Spacek, Produzent Ivan Reitman bestand auf einen kassenträchtigen Namen, also übernahm Porno-Queen Chambers den Part und lieferte unter Cronenbergs Führung eine beeindruckende Leistung ab (als kleinen Gag spaziert sie auf der Straße an einem Kino vorbei, das gerade De Palmas "Carrie" zeigt, mit dem die abgelehnte Sissy Spacek zeitgleich ihren Durchbruch feierte). Einige Einfälle sieht man in späteren Cronenbergs wieder.

Der Filmbeginn, der Marilyn Chambers in Lederkluft auf einem Motorrad zeigt, erinnert sowohl an Crash als auch an den aktuellen Tödliche Versprechen - Eastern Promises
RABID ist ein stark unterschätzter Film, dessen eisige Atmosphäre und Hoffnungslosigkeit noch lange nachwirken.

10/10

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