Mittwoch, 17. Februar 2010

Priscilla - Königin der Wüste (1994)

Die Drag Queens Mitzi und Felicia (Hugo Weaving und Guy Pearce) sowie die transsexuelle Bernadette (Terence Tamp) reisen in ihrem rosa Bus namens Priscilla zwecks Engagement durch die australische Wüste - in ihrem Gepäck jede Menge Hoffnungen, Ängste, schrille Fummel und ABBA-Songs. Sie saufen Kaff-Bewohner unter den Tisch, campen mit Aboriginies, klettern in bunten Fummeln auf sandige Hügel, sie lachen, zicken und weinen zusammen - kurz gesagt, man möchte sofort packen und dabei sein.

Dieses quietschbunte australische Überraschungsbonbon PRISCILLA - KÖNIGIN DER WÜSTE war 1994 ein Sensationserfolg, der die Welt mitriß. Neben einem grandiosen Pop-Soundtrack (inklusive der unvermeidlichen Klassiker "I Will Survive" und "Go West") bietet PRISCILLA köstlich verschrobene Dialoge wie "Haben Sie das Texas Kettensägen-Mascara?", unvergessliche Einfälle wie das Popo-Pingpong (bitte nicht fragen, selbst ansehen), atemberaubende Landschaften, fröhliche Musiknummern und unglaublich bizarre Kostüme, für die es einen verdienten Oscar gab. Das Plädoyer fürs Anderssein, gegenseitigen Respekt und das Aufräumen mit Vorurteilen aller Art werden schwungvoll nebenbei erledigt. In einer sehr eindrücklichen Rückblende wird Felicia als Halbwüchsiger von seinem Vater in der Badewanne belästigt - da bleibt einem kurz das Lachen im Halse stecken, bis plötzlich eine unerwartete Wendung alles dreht. Glaube niemals, was du zu wissen glaubst - und vergiss' nie zu lachen, wenn du am Boden bist.

Schön, dass nach unzähligen Filmen mit Drag Queens als Lachnummern und dem immer noch aktuellen Filmklischee des (gähn!) schwulen besten Freundes hier die Außenseiter und Paradiesvögel den verdienten Protagonisten-Status bekommen. Guy Pearce und Hugo Weaving kann ich in keinen anderen Rollen sehen, ohne zumindest zeitweise an ihre fantastischen Darbietungen in PRISCILLA zu denken - was schwierig wird, wenn man "The Matrix" oder "Memento" genießen will. Die mutigste Darstellung zeigt Terence Stamp als Bernadette, die sich stets ihrer Tränen in Würde schämt ("Es ist schon wieder Waschbär-Zeit!") und zu allem eine sarkastische Spitze parat hat. Aus mir nicht bekannten Gründen hat Regisseur Stephen Elliott, der hier nur so vor klugen Ideen sprüht, keinen weiteren nennenswerten Film gemacht. Schade!

Filme wie PRISCILLA machen die traurigen Tage des Lebens erträglicher. Einer meiner Lieblingsfilme, immer wieder, für alle Zeiten, Mamma Mia!

09/10

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