Dienstag, 23. Februar 2010

Poltergeist III (1988)

Nach dem Erfolg von "Poltergeist" und der (schwachen) Fortsetzung konnte der dritte Teil nicht ausbleiben, leider stand aber bis auf Kinderdarstellerin Heather O'Rourke und Zelda Rubinstein als Medium Tangina keiner der Original-Schauspieler mehr zur Verfügung. So verlegte Regisseur Gary Sherman die Handlung von den bislang genutzten Einfamilienhäusern in friedlichen Vororten in einen modernen Wolkenkratzer in Chicago, was zwar keine umwerfend neue Idee war (man denke an Lamberto Bavas "Dämonen 2" oder Cronenbergs "Shivers"), als Set bietet das Hochhaus aber genügend Abwechslung. Nach diversen Poltergeist-Angriffen lebt nun die kleine Carol-Anne (O'Rourke) bei Tante und Onkel (Nancy Allen und Tom Skerritt), und ehe sie sich versieht, ergreifen auch hier wieder die Geister um den in Teil 2 eigentlich besiegten Reverend Kane wieder Besitz von Wohneinrichtung und Menschen...

Was POLTERGEIST 3 bietet in erster Linie außergewöhnliche Effekte, die allesamt nicht in der Post-Produktion eingefügt wurden, sondern direkt beim Dreh zum Einsatz kamen. Mittels Doppelgänger und Spiegeltricks werden hier sehr hübsche Einfälle geschaffen (so tun die Spiegelbilder der Darsteller bewusst oft nicht das, was ihre Originale gerade machen), und die düstere Grundstimmung - verstärkt durch Joe Renzettis Score - steht zwar im krassen Gegensatz zu den Vorgängern, kann aber durchaus überzeugen. Leider bringt der Film eine Gruppe kreischender Teenager ins Spiel, die in der Reihe überhaupt nichts verloren und auch zum Horror nichts beizutragen haben.
Ich persönlich mag POLTERGEIST 3 trotzdem ganz gerne, obwohl mir bewusst ist, dass es sich um keinen guten Film handelt, was hauptsächlich an der Besetzung liegt. Nancy Allen (Ex-Mrs. De Palma) sieht man ohnehin viel zu selten, Tom Skerritt ist grundsätzlich sehenswert, und in einer Nebenrolle spielt die junge Lara Flynn Boyle recht reizend. Die junge Heather O'Rourke, die im Zentrum des Films steht, verstarb leider während der Dreharbeiten, weswegen der Film komplett umgeschrieben werden musste. Das entstandene Chaos merkt man deutlich, er wirkt unfokussiert und seltsam beliebig. Die Ereignisse haben kein klares Ziel, und am Ende wird Darsteller Kipley Wentz bzw. dessen Schicksal völlig vergessen, eine klare Schlampigkeit. Auch die Abwesenheit von Carol-Annes Eltern wird mehr als dürftig erklärt, und die Tatsache, dass sich Medium Tangina extra von weither auf den Weg macht, um der Kleinen beizustehen, die von ihren Eltern aber völlig im Stich gelassen wird, macht die Handlung unglaubwürdig. Auch die schlussendliche Auflösung widerspricht in ihrer (Un-)Logik den Vorgängern.

Nein, ein guter Horrorfilm ist POLTERGEIST 3 nicht, aber er bietet einige ausgezeichnete Effekte, gute Darsteller und ist insgesamt so unterhaltsam, dass er doch an einem Totel-Flop vorbeischrammt. Und er verzichtet weitgehend auf den familiären Kitsch, der Teil 2 so unerträglich machte.

06/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...