Dienstag, 23. Februar 2010

Poltergeist II (1986)

"Poltergeist" war einer der großen Horror-Erfolge der 80er, das schrie natürlich nach einer Fortsetzung. Doch das Sequel lässt leider fast alles vermissen, was das Original auszeichnete. Und selbst wenn man Teil 2 nicht am Vorgänger misst, fällt er als Horrorfilm durch.

Das Positive zuerst: beinahe alle Darsteller aus Teil 1 spielen wieder mit, das ist bei Fortsetzungen durchaus nicht üblich und wertet den Film deutlich auf. Die Schauspieler sind sehr vertraut mit ihren Charakteren und spielen erneut hervorragend. Zum bekannten Ensemble gesellt sich Julian Beck als finsterer Reverend, und ihm gehören die einzig wirklich grusligen Momente. Sein Anblick, seine Sprache (klasse im O-Ton, aber auch gut synchronisiert) und seine Gesten sind von unheimlicher Wirkung. Ebenso hinzu gekommen ist Will Sampson ("Einer flog übers Kuckucksnest") als indianischer Helfer der Familie, der mit allerlei Zaubereien einen Weg aus dem Unheil sucht.

Hier liegt schon die erste große Schwäche von "Poltergeist 2": der Film hat kein Thema. Der grundsätzlich satirische Ton, in dem "Poltergeist" neben allem Schrecken das amerikanische Kleinstadtleben demontierte, ist hier nicht mehr vorhanden. Stattdessen entscheidet sich Regisseur Gibson für eine süßliche "Liebe und Familie werden über alles siegen"-Erzählung, die am Ende wirklich peinlich und beschämend für alle Beteiligten wird. Weder die Magie der Ureinwohner noch die Kraft von Medium Tangina (Zelda Rubinstein) werden sinnvoll benutzt, und besonders unangenehm wird der Film zwischenzeitlich, wenn die bösen Geister von Familienvater Craig T. Nelson Besitz ergreifen und er zum brutalen Vergewaltiger mutiert, bevor er ein ekelhaftes Monster erbricht (kein Tippfehler).

Die Spezialeffekte sind hervorragend und haben die Zeit gut überstanden, aber der Film ist nie wirklich spannend. Das merkt man besonders, wenn plötzlich laute Action-Szenen über den Zuschauer hereinbrechen (die Zahnspange, die Kettensäge), die ohne Zusammenhang daherkommen und nichts anderes sind als der plumpe Versuch, den Film gelegentlich etwas in Schwung zu bringen. Die "andere Seite", die wir in Teil 1 nicht zu Gesicht bekamen, soll hier der große Knüller sein, ist aber nur ein Gewaber aus Nebel und Bluescreen, durch das die Schauspieler an Drähten hindurchfliegen. Geheimnisse sind manchmal besser.

Alles in allem ist "Poltergeist 2" eine echte Enttäuschung. Er ist gut gespielt und hat ein paar gelungene Sequenzen, aber darüberhinaus ist er süßlich, weinerlich, extrem harmlos, streckenweise langweilig und bietet ein wirklich schlimmes Finale inklusive verstorbener Großmama als Rauschgoldengel im Jenseits, über das man nur lachen kann. Schade.

06/10

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