Dienstag, 23. Februar 2010

Poltergeist (1982)

POLTERGEIST (Poltergeist) war einer der großen Horror-Erfolge der 80er, und bis heute ist unklar, inwieweit Produzent Steven Spielberg dem Regisseur Tobe Hooper ("The Texas Chainsaw Massacre", 1974) bei der Arbeit ins Handwerk gepfuscht hat, denn der Film weist einige typische Spielbergsche Motive und Szenen auf. Der grundsätzlich satirische Ton, in dem POLTERGEIST neben allem Schrecken das amerikanische Kleinstadtleben demontiert, ist dagegen reinster Hooper, und der finale Akt des Films so unerwartet düster, dass man wirklich nicht mehr von einem Spielberg-Märchen sprechen kann.

Der Inhalt dürfte hinlänglich bekannt sein, aber kurz noch mal: die Familie Freeling bekommt es von einem Tag auf den anderen mit seltsamen Phänomenen zu tun. Zuerst verschwindet Tochter Carol Anne im Fernseher, dann bewegen sich Möbel und Gegenstände, und schließlich bricht der wahre Horror über die Familie herein...

POLTERGEIST ist das beste Beispiel, wie man Spannung, Horror und Humor kongenial verbinden kann. Die Identifikation mit der Durchschnittsfamilie fällt viel leichter, weil alle Familienmitglieder ausnehmend gut charakterisiert und sympathisch gezeichnet sind - mit sehr skurrilen Eigenarten. Neben dem ganzen Geister-Trubel erzählt der Film von einem Thema, das in den 80ern von großer Relevanz war (und so gesehen immer noch relevant ist) - Kritik an der Ausbeutung durch Großkonzerne. Wie sich herausstellt, sind die Poltergeister die Geister von toten Ureinwohnern, deren Friedhof man einfach verlegt hat, um dort Häuser für die "guten" amerikanischen Familien zu bauen. Nur hat man "vergessen", die Toten mit zu verlegen. Es ist selten, dass im Horror-Genre solche klar politischen Subtexte transportiert werden, und gerade dieses Element ist es, was POLTERGEIST bis heute frisch gehalten hat.
Der Film hat Tempo und ebenso komische wie zutiefst erschreckende Sequenzen. Die Darsteller sind ausnahmslos hervorragend, Jerry Goldsmith hat einen klasse Soundtrack komponiert, und die Spezialeffekte (von denen es vielleicht einen Tick zu viele gibt) können auch heute noch überzeugen.

Sicher, POLTERGEIST ist reinstes Mainstream-Kino, das niemandem wirklich weh tut (Blut fließt kaum im Film), aber als Achterbahn funktioniert der Film perfekt.

09/10


Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    Natürlich hast Du den Film gut beschrieben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass POLTERGEIST (genauso wie vorher STARWARS) seinerzeit in den Spätnachrichten der ARD-Tagesschau besondere Beachtung fand.
    Spielberg hat hier 'American Way of Life', also amerikanisches Familienleben, mit Horrorszenario gepaart und insgesamt eine gute Mischung gefunden. Ironische Seitenhiebe eingeschlossen. Der Soundtrack von Goldsmith ist in der Tat Spitze, wie so viele seiner Werke.

    Nachdem ich POLTERGEIST jahrelang auf VHS und DVD treu gewesen bin, habe ich den Film vor kurzem aus meiner Sammlung entfernt. Waren es am Ende doch zuviel Geister-Nebelschwaden oder das überaus nervige 'Carol Ann'-Geschrei des kleinen Bruders ? Ich weiss nur, dass sich mein Filmgeschmack im Laufe der Zeit geändert hat und so müssen eben einige Titel weichen. That's life !

    Gruss Ralf

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  2. Hallo Ralf,
    ich weiß, was Du meinst, so geht es mir mit vielen Filmen. Ich habe "Poltergeist" mittlerweile so oft gesehen, dass er auch für mich einen großen Teil des Reizes eingebüßt hat (und das Gekreische ist wirklich nervig), aber ich mag den bösen letzten Akt immer noch gerne, wenn die Schlammleichen ans Tageslicht (bzw. Nachtlicht) kommen. Da ist der Film auch wieder mehr Hooper als Spielberg.

    Gruß von Mathias

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  3. "In der Tat hatte der Regisseur bei dem Kultfilm um die Familie Freeling ... nicht viel zu sagen. Spielberg war jeden Tag am Set und schloss Hooper sogar gänzlich vom Schnitt und restlichen Nachbearbeitung aus." (TV Movie/Jan 2014)

    Es ist schon wenig Hooper in "Poltergeist" zu sehen - und die TV Movie muss es ja wissen ;)
    Mein Ding ist der Film nicht so, könnte aber daran liegen, dass ich ihn erst jetzt gesehen habe und eben nicht in den 80ern und so trägt es sich zu, dass ich schon viel besseres gesehen habe. Er ist zwar spannend, aber irgendwie ist alles etwas zu viel und es 'passt' nicht so recht, finde ich. Also die Leichen im Pool passen und auch die Särge, aber diese Wesen/Monster im Zimmer nicht, also es passt alles nicht so zueinander, es sind so unterschiedliche Stile.
    Daher für mich: kann man mal gesehen haben, ist auch nicht verkehrt, aber ist nicht in meiner ersten Filmreihe (bzw. kommt gar nicht in mein Regal).

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  4. Doch, da ist schon einiges von Hooper drin, gottseidank, sonst wäre es wohl Schmalz mit niedlichen Monstern, die nach Hause telefonieren wollen, geworden... für mich bleibt er einer meiner liebsten 80er-Horrorfilme, ich habe ihn aber tatsächlich seinerzeit im KIno gesehen, und da hat er alle, die einen freundlichen Spielberg erwarteten, echt zum Kreischen gebracht (allein durch die Maden/Hühnerschenkel/Gesicht-Abpul-Sequenz). LG, Mathias

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