Mittwoch, 17. Februar 2010

Parasiten-Mörder (1975)

Nach seinen eigenwilligen Experimental-Kurzfilmen legte der kanadische Regisseur Cronenberg mit PARASITEN-MÖRDER ("Shivers" oder "They Came From Within") seinen ersten Spielfilm vor, der international äußerst erfolgreich war.

SHIVERS schildert den durch einen irregeleiteten Wissenschaftler ausgelösten Zusammenbruch der Zivilisation, vertreten durch die Bewohner eines Apartment-Komplexes, welche nach und nach kleinen, wurmähnlichen Parasiten zum Opfer fallen, die ursprünglich als Ersatz für defekte Organe vorgesehen waren, die Infizierten aber zu wahnsinnigen Sex Maniacs machen.
Cronenberg bezeichnete SHIVERS einmal scherzhaft als Geschichte über eine Geschlechtskrankheit - aus der Sicht der Geschlechtskrankheit.

Heute wirkt SHIVERS durch die bescheidenen Mittel eher schundig, trotzdem gelingen Cronenberg ein paar äußerst verstörende Momente und eine konstante Atmosphäre des Wahnsinns. Für mich persönlich sind die frühen Werke Cronenbergs um Welten interessanter als seine anspruchsvollen Arthaus-Werke der 90er und auch seine aktuellen Beiträge, weil sie fantastische Prämissen ernst, innovativ, bizarr und intelligent umsetzen. SHIVERS und der folgende "Rabid" brachten Cronenberg den Titel des "King of Body Horror" ein. Seine Bilder sind erschreckend, drastisch, surreal, das Ambiente aber bleibt modern, trist und anonym. George A. Romeros "Night of the Living Dead" lässt sich mehrfach in Cronenbergs Arbeit erkennen.

Finanziert wurde SHIVERS durch Steuergelder, und es gab einigen Aufruhr, als den staatlichen Herrschaften bewusst wurde, was für einen extremen Horrorfilm sie da mit öffentlichen Mitteln finanziert haben. Tatsächlich aber hat SHIVERS sehr viel Profit gemacht, und Regisseure wie Martin Scorsese, der nach eigenen Aussagen sehr beeindruckt war und das beängstigende Ende von SHIVERS nie vergessen konnte, wurden von Cronenbergs Werk beeinflusst. Für ein heutiges, junges Zielpublikum dürfte SHIVERS kaum geeignet sein, für mich gehört er zu den Meilensteinen des Genres.

10/10

nicht schön - das Ekelmonster verlässt den Wirtskörper

Kommentare:

  1. Den kenne ich nun auch. Und werde nie wieder unbeschwert in der Badewanne sitzen können. Was für eine ekelhaft geniale Szene!

    Ich fand den Film klasse, besonders das Ende war 1A. Es gab vielleicht 1-2 kleine Länglichkeiten, aber sonst bestens. Da kann ich es nur als Vorteil empfinden, dass ich nicht auf den modernen Horrorkram stehe, zumindest in den seltensten Fällen ist da was für meinen Geschmack was Brauchbares bei.

    Du schreibst, dass SHIVERS durch Steuergelder finanziert wurde. Wie kam das denn, also mit welchem HIntergrund? Ist ja schon eigenartig und ein Grund wird mir nicht recht klar. Kann mir aber gut die Aufregung vorstellen im öffentlichen Amt, also sie das finanzierte Endwerk gesehen haben. Die mussten bestimmt erstmal alle geschlossen auf Toilette. ;)

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  2. Dabei handelte es sich um eine staatliche Filmförderung, bei der Steuergelder für heimische Filmproduktionen zur Verfügung gestellt wurden (ähnlich wie bei uns, wir bezahlen ja auch die geförderten deutschen Kinofilme), um im besten Fall einen Gewinn zu erzielen, der dann sinnvoll weiter verwendet werden kann. Als SHIVERS herauskam, gab es dann eine Kontroverse über die Verwendung des Geldes (Zeitungen titelten "Sehen Sie sich diesen Schund an, Sie haben ihn bezahlt), aber tatsächlich hat SHIVERS als einziger geförderter Film in dieser Zeit das Mehrfache seiner Kosten eingespielt. Der Skandal hatte aber zur Folge, dass Cronenberg danach schwerer an Geld kam.

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  3. Interessante Fakten - danke Dir für die Aufschlauung! "Sehen Sie sich diesen Schund an, Sie haben ihn bezahlt" - also nein! Und das zum besten Parasiten-Film aller Zeiten ;)

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