Dienstag, 16. Februar 2010

Nur die Sonne war Zeuge (1960)

Bevor Anthony Minghella seine Version vom "talentierten Mr. Ripley" inszenierte, hat René Clement die Vorlage von Patricia Highsmith bereits 1960 brillant verfilmt. Die Story: der junge Mr. Ripley, ein Meister der Imitation und Fälschung, tötet seinen Freund, den reichen Phillip (Dickie) Greenleaf, und nimmt dessen Platz ein. Als ein Bekannter des Ermordeten ihm auf die Schliche kommt, muss er auch ihn beseitigen...

Der spannende Thriller machte Alain Delon über Nacht zum Star. Seine Darstellung des Ripley hat genau die Ambivalenz, die die Rolle verlangt. Man sieht fasziniert zu, wie Ripley sich ans Werk macht, als Zuschauer ist man gleichzeitig fasziniert von Delons Ausstrahlung und Talent und gleichzeitig abgestoßen von seiner Kaltblütigkeit und den Abgründen, die hinter seiner perfekten Fassade lauern. Die Erfinderin des Tom Ripley, Patricia Highsmith war selbst begeistert von Delon, das ist wahrscheinlich das beste Kompliment für den Schauspieler.
René Clement fängt das italienische Feeling der 60er durch viele Außendrehs an Originalschauplätzen perfekt ein, die sonnendurchfluteten Bilder korrespondieren ideal mit der düsteren Handlung. Einziger diskutabler Schwachpunkt ist das Ende, welches das offene Romanende von Highsmith zugunsten einer moralischen und konservativen Auflösung verändert.
Interessant ist übrigens, dass Alain Delon, wenn er die Stimme von Maurice Ronet imitiert, von diesem auch synchronisiert wurde. Dies wurde auch in der deutschen Fasung beibehalten und ist ein wirklich gelungener Einfall.
Und für alle, die es nicht wissen: gleich zu Beginn des Films hat Romy Schneider einen kleinen Gastauftritt!
"Nur die Sonne war Zeuge" ist ein Klassiker des Thrillers, der seinen guten Ruf auch heute noch zu Recht besitzt und genau so überzeugt wie seinerzeit.

07/10

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