Montag, 15. Februar 2010

Niagara (1953)

Henry Hathaways NIAGARA aus dem Jahr 1953 ist in die Filmgeschichte eingegangen als der Film, mit dem die unvergessene Marilyn Monroe ihren großen Durchbruch in einer tragenden Rolle hatte. Er ist außerdem der einzige Film, in dem sie eine Femme Fatale spielen durfte, die nichts mit dem naiven Dummchen zu tun hatte, das sie später immer wieder spielen musste.

Und nicht zuletzt bietet NIAGARA auch noch die atemberaubenden Niagara-Fälle als Hintergrund für eine düstere Mordgeschichte, und die brachiale Naturgewalt wird von Hathaway nicht nur blendend inszeniert, sondern auch vom Drehbuch als Teil der Geschichte eingesetzt, ist damit viel mehr als nur Kulisse.

Unterm Strich aber ist dies Marilyn Monroes Film, selbst wenn sie von allen Darstellern vielleicht die wenigste Spielzeit hat. Ihre Rose Loomis ist ein Ausbund an Abgründigkeit. Gemeinsam mit ihrem attraktiven Liebhaber (der nie auch nur einen einzigen Charakterzug, geschweige denn einen vollen Namen erhält) versucht sie, ihren seit dem Krieg instabilen Ehemann Joseph Cotten aus dem Weg zu räumen. Das Ganze wird von einem jungen Flitterwochen-Paar (Jean Peters und Casey Adams) beobachtet, welches in die mörderischen Ereignisse verwickelt wird.

Bereits in ihrer ersten Szene, wenn sie sich mit knallrot geschminkten Lippen am frühen Morgen im Bett räkelt und lüstern eine Zigarette raucht, ist klar, dass Marilyns Rose nichts Gutes im Schilde führt. Die Kamera von Joseph MacDonald kann sich gar nicht an ihr satt sehen. Ob sie im engen Abendkleid "Kiss" singt, sich mit bösen Absichten an Touristenschauplätzen herumtreibt, ihren Lippenstift im Spiegel überprüft oder verzweifelt um ihr Leben rennt - man bekommt nicht genug von ihr. Ob sie als Schauspielerin hier schon überzeugt (ich denke, ja) ist nebensächlich. Für Marilyn Monroe wurde das Kino erfunden.

Man muss dazu sagen, dass Jean Peters als biedere Ehefrau natürlich neben Marilyn Monroe verblasst, aber dennoch die beste Darstellerleistung im Film liefert. Ihre Sorge um Nachbar Cotten und die langsame Steigerung ihrer Hysterie ist in jeder Minute überzeugend.

Obwohl ein farbenprächtiges Spektakel, ist NIAGARA dazu ein lupenreiner Film Noir, komplett mit den Archetypen des Genres (verdorbene Frau, schwächlicher Mann) und der Kriegsneurose als psychologischem Hintergrund für die gestörte Paarbeziehung. Henry Hathaway verzichtet leider darauf, in seinem "glücklichen" Paar Peters und Adams die Untiefen zu suchen, doch das ist nur ein kleiner Wermutstropfen. NIAGARA ist ein Klassiker des amerikanischen Films, erstaunlicherweise nicht wegen seiner Kunst, sondern wegen seiner grandiosen Schauwerte.

09/10

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