Mittwoch, 17. Februar 2010

Never Talk to Strangers (1995)

1995 war das Jahr der Thriller-Flops. Neben William Friedkins Hochglanz-Thriller "Jade" ging auch der von Hauptdarstellerin Rebecca De Mornay selbst produzierte Erotik-Thriller NEVER TALK TO STRANGERS im Kino kopfüber baden. Warum ausgerechnet der in England gefeierte Shakespeare-Regisseur Peter Hall diesen Murks inszenieren musste, blieb allen ein Rätsel. Wer seine Ansprüche nicht zu hoch schraubt, kann sich aber bei diesem naiv-psychologischen Verwirrspiel gut amüsieren, er gehört in die Kategorie "so schlecht, dass er schon wieder gut ist" (siehe auch "Color of Night").

Rebecca De Mornay spielt hier die typische Hitchcock-Blondine Sarah Taylor, Kriminalpsychologin aus Leidenschaft, und dermaßen kontrolliert, alle Belästigungsversuche des schmierigen Nachbarn Dennis Miller abzuwehren, aber dem nicht minder schmierigen Antonio Banderas gleich in der Weinabteilung des örtlichen Supermarkts zu verfallen. Nach kurzem Rendezvous folgt heißer Sex im Käfig (nicht fragen). Der arme Banderas kann einem leid tun, so dick aufgetragen wirkt seine Latino-Nummer, komplett mit Tätowierungen an allen möglichen und unmöglichen Körperregionen, schwerem Motorrad und frisch geölten Haaren, er ist das Pin-Up eines Frauen-Groschenromans. Aber ist der sexy Lover auch verantwortlich für tote Katzen, Müll in der Post, beschmierte Wände und das Ableben mehrerer Nebendarsteller? Sarah bekommt es mit der Angst...

Alles, einfach alles an NEVER TALK TO STRANGERS ist so maßlos übertrieben, dass er in fröhlicher Runde zum echten Knaller wird. Die wahre Identität des Täters ist so offensichtlich, dass 12-jährige sofort dahinterkommen - die sich den Film wegen der vielen Nacktszenen aber offiziell nicht antun dürfen. Wer die Stars textilfrei sehen möchte, ist hier absolut richtig. Wer einen raffinierten Thriller erwartet, dürfte ins Koma fallen, trotz der vielen "unerwarteten" Wendungen. Die Figuren verhalten sich durch die Bank kindisch und unprofessionell, das Wort 'subtil' hat hier noch nie jemand gehört. Positiv zu vermerken wäre die romantische Filmmusik von Pino Donaggio. Und in einer Nebenrolle kann Harry Dean Stanton dem Rest der Besetzung zeigen, dass weniger sehr viel mehr ist.

Trotz aller Unlogik und unfreiwilligen Komik aber mag ich NEVER TALK TO STRANGERS, vielleicht wegen Rebecca De Mornay, deren kühle Ausstrahlung und Schönheit ich schon lange im Kino vermisse (wer erinnert sich nicht an ihre Psychopathin aus Die Hand an der Wiege?). Vielleicht, weil solche Thriller leichtes Spiel mit mir haben. Die Moral von der Geschichte übrigens: lass' dich niemals im Supermarkt anquatschen - es könnte ein Psychopath sein. Schon gewusst? Schade.

05/10

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