Dienstag, 16. Februar 2010

Nathalie - Wen liebst du heute Nacht? (2004)

"Nathalie" erzählt im Grunde eine erotische Kurzgeschichte mit überraschender Pointe. Dass der Film es dennoch schafft, 90 Minuten lang zu unterhalten, liegt vor allem an dem wunderbaren Darstellertrio Depardieu, Ardant und Beart, wobei man anmerken muss, dass Depardieu hier eine sehr untergeordnete Nebenrolle spielt - auch wenn sich in der Story alles um ihn dreht.
Zum Inhalt: eine Ehefrau engagiert eine Prostituierte, um ihren Ehemann zu verführen und lauscht dann interessiert deren Schilderungen ihrer Liebesspiele.

Die überraschende Wendung am Ende lässt sich früh erahnen, wenn man genau aufpasst, was der Film zeigt bzw. was er eben NICHT zeigt, aber das nimmt ihm keine Spannung. Dies ist eine ganz kleine, bescheidene Geschichte, sehr entspannt und ur-französisch, ohne jegliche Effekthascherei. Die Handlungen der Figuren sind alltäglich, fast banal - leider sind die Dialoge es an manchen Stellen auch, und man würde sich wünschen, dass es vielleicht doch die eine oder andere dramatische Zuspitzung geben würde. So gehen gleich mehrere Ehebrüche einfach spurlos an den Figuren vorüber, ohne dass viel Aufhebens davon gemacht wird. Auch könnten die Charaktere etwas mehr Tiefe vertragen. So bleibt Gerard Depradieu dem Zuschauer immer fremd, weil wir einfach nicht genug über ihn erfahren - nicht einmal, was für einen Beruf er genau ausübt.

Wer französische Beziehungsdramen liebt, in denen hemmungslos geraucht wird, der wird mit "Nathalie" sehr zufrieden sein. Wer ein erotisches Dreiecks-Drama (wie es das Cover suggeriert) erwartet, wird möglicherweise enttäuscht, denn die Erotik spielt sich hier nur verbal ab, und der Film lotet - wie gesagt - keine menschlichen Untiefen aus. Er ist hübsch, unterhaltsam und charmant, bleibt aber letztlich nicht lange im Gedächtnis.
Die DVD bietet den Film in guter Bildqualität im anamorphen 16:9, den deutschen Ton sogar in DTS (was bei einem so leisen Dialogdrama eher nicht nötig wäre, aber gut) und als Extra neben vielen Texttafeln ein untertiteltes Making Of.

07/10

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