Freitag, 12. März 2010

Myra Breckinridge (1970)

"Myra Breckinridge" gehört zu den größten Hollywood-Flops aller Zeiten, und die Liste der Katastrophen von Beginn der Dreharbeiten bis zur Veröffentlichung ist mittlerweile legendär.

Nach dem Roman von Gore Vidal, der zu Recht als unverfilmbar galt, entstand unter den unerfahrenen Händen des britischen Regisseurs Michael Sarne eine Sex-Farce über das Leben in Hollywood, transsexuelle Schauspiel-Lehrer, lüsterne Agentinnen, durchgeknallte Schauspielschüler und die amerikanische Pop-Kultur im Ganzen.

Klingt konfus, ist es auch. Der Film ist bunt und knallig gefilmt, wartet mit guten Darstellern auf (in Nebenrollen u.a. Farrah Fawcett, John Carradine, John Huston, sogar "Magnum" Tom Selleck taucht kurz auf), hat sehr viele Einfälle, aber er ist weder witzig noch interessant, und er ergibt überhaupt keinen Sinn von vorne bis hinten. Das Drehbuch wurde x-mal umgeschrieben, während noch gedreht wurde, Romanautor Vidal wollte seinen Namen vom Film zurückziehen, die Hauptdarstellerinnen Raquel Welch und Mae West waren aufs Blut verfeindet, die Dialoge sind schrecklich, die Schauspieler werden zu merkwürdigen Darstellungen getrieben und passen alle nicht zusammen - allein die 76-jährige Mae West als sexbesessener Talentscout ist so absurd peinlich, dass man fassungslos davor sitzt, ganz besonders wenn sie plötzlich und ohne Vorwarnung zwei Musicalnummern darbietet, die im Film aber auch gar nichts verloren haben. Die wunderbare Farrah Fawcett muss eine so dämliche Blondine spielen, dass es weh tut.

Was "Myra Breckinrdige" eigentlich will, wird nie ganz klar. Irgendwie soll der Verfall der US-Kultur kritisiert werden, und der Übergang vom klassischen Hollywood, in dem die Stars noch Mythen waren, zum modernen Hollywood mit Nacktheit, Method Acting und Wahrheitsfindung wird in "Myra Breckinridge" parodiert. Regisseur Sarne baut dafür an jeder passenden und unpassenden Stelle Clips aus klassischen Hollywood-Filmen ein, die das Geschehen kommentieren. Das ist anfangs noch ganz lustig, aber man mag kaum noch hinschauen, wenn die bedauernswerten Filmgötter Marilyn Monroe oder Clark Gable herhalten müssen, um der Vergewaltigung eines machohaften Schauspielschülers durch Raquel Welch mit Flaggenbikini, Cowboyhut und umgeschnallten Dildo beizuwohnen...

ABER - "Myra Breckinridge" gehört zu den Filmen die so schlecht sind, dass sie auf merkwürdige Weise unterhalten, allein wegen der unfreiwilligen Komik.
Dazu muss man sagen, dass die DVD erstklassig ist. Neben dem Film in hervorragender Qualität (anamorphes Cinemascope) bietet die DVD ein Making-OF aus der Reihe "Hollywood Backstories", in dem vor allem Raquel Welch und Regisseur Sarne kein Blatt vor den Mund nehmen, wie schlecht der Film geworden ist. Das ist in Zeiten, in denen Stars bei den schlimmsten Filmen immer nur lächeln und proklamieren, wie großartig die Zusammenarbeit war, wirklich erfrischend. Dazu gibt es von beiden (Welch und Sarne) je einen Audiokommentar. Michael Sarne versucht an vielen Stellen zu erklären, was er beabsichtigte und warum es schief ging, Raquel Welch erinnert sich mit Grausen an die Dreharbeiten und findet alles - inklusive ihrer eigenen Darstellung - schrecklich.

Interessant ist dabei, dass sich beide unabhängig voneinander vollkommen anders erinnern. Sehr unterhaltsam! Für Freunde von Filmtrash ist "Myra Breckinridge" absoluter Kult. Selten hat Hollywood sich so verrannt und vorgeführt. Auf diese Weise ist er auch in die Filmgeschichte eingegangen, als Mahnmal der Schande. Man muss ihn einfach mögen, aber er ist sicher nicht jedermanns Sache.

03/10

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