Mittwoch, 17. Februar 2010

Misery (1990)

Schon Hitchcock wusste, dass man an einem begrenzten Schauplatz maximale Spannung erzeugen kann. Rob Reiners MISERY aus dem Jahr 1990, nach einem der besten Romane von Stephen King, beweist diese These nachdrücklich, denn sein Thriller ist so klassisch aufgebaut und packend inszeniert, dass die Zeit spurlos an ihm vorbeigegangen ist. Er ist und bleibt einer der spannendsten Psycho-Thriller der 90er und hält heute noch jedem Vergleich mit aktuellen Thrillern stand.

Worum geht es? Bestseller-Autor Paul Sheldon (James Caan) wird nach einem Autounfall im Schneesturm schwerverletzt von der Krankenschwester Annie Wilkes (Kathy Bates) gerettet, die ihn zu sich nach Hause schafft. Sie ist sein "größter Fan" und verschlingt seine Schundromane, in denen eine Hauptfigur namens Misery Liebesabenteuer erlebt, von denen Annie nur träumen kann. Als sie aber erfährt, dass ihre geliebte Misery in Pauls aktuellem Manuskript stirbt, zwingt sie ihn, ein neues Buch zu schreiben - notfalls mit Gewalt. Sie setzt ihn unter Drogen, sperrt ihn im Keller ein, als der örtliche Sheriff nach ihm sucht, und sie greift zu noch drastischeren Methoden (die berühmte "Hammer und Knöchel"-Szene, bei der kein Auge trocken bleibt). Nebenbei grunzt sie mit ihrem Hausschwein "Misery" um die Wette, und das ist nicht etwa komisch, sondern beängstigend.
Kathy Bates - die für ihre Darstellung zahlreiche Preise inklusive eines Oscars erhalten hat - spielt diese Psychopathin mit einer solchen Hingabe, dass man auch als Zuschauer Angst vor ihr bekommt. MISERY lief etwa zeitgleich mit "Das Schweigen der Lämmer" im Kino, und mir persönlich hat Kathy Bates mehr Gänsehaut bereitet als Anthony Hopkins. Ihre spontanen Stimmungswechsel, ihre völlig unberechenbaren Taten und die Ausweglosigkeit für den ans Bett gefesselten Caan erzeugen eine klaustrophobische Spannung, die selten in dieser Intensität erreicht wurde, dabei gab es viele Filme, die eine ähnliche Grundkonstellation benutzten ("Das düstere Haus" oder "Der Fänger" von William Wyler).
MISERY erhielt sehr gute Kritiken, als einziger Schwachpunkt wurde oft die Besetzung von James Caan als Autor von Frauenromanen genannt, dessen körperliche Kraft und Präsenz ihn als hilfloses Opfer von Bates unglaubwürdig machen. Ich denke, genau das verstärkt die alptraumhafte Situation des Films. Wenn ein Mann wie Caan nichts gegen diese Krankenschwester aus der Hölle ausrichten kann, was würde sie dann erst mit uns anstellen...? In einer Nebenrolle als Agentin von Caan ist die wunderbare Lauren Bacall zu sehen. Auch die übrigen Nebenrollen sind mit Franes Sternhagen und Richard Farnsworth als streitendes Sheriff-Ehepaar, das ein wenig trockenen Humor in den eisigen Film bringt, glänzend besetzt, der aber im Grunde ein Zwei-Personen-Stück bleibt. Musik und Kamera stehen ganz im Dienst der Geschichte, Rob Reiner verzichtet fast völlig auf visuelle Tricks, so ist MISERY ein Musterbeispiel dafür, wie ein hervorragendes Drehbuch, zwei exzellente Darsteller und ein einziger Schauplatz ausreichen, um das Publikum 100 Minuten im Dauerstress zu halten. Nebenbei erzählt MISERY auch noch sehr genau vom ambivalenten Verhältnis Künstler/Fan, und wie leicht grenzenlose Liebe und Bewunderung in Hass umschlagen können. Dass die mörderischen Abgründe ausgerechnet hinter einem Fan von kitschigen Liebesromanen schlummern, ist eine von Stephen King bewusst gesetzte, böse Spitze.

10/10

Ich bin Ihr größter Fan!

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