Mittwoch, 17. Februar 2010

Milk (2008)

Mit dem preisgekrönten Biopic MILK hat Regisseur Gus van Sant 2008 wahrscheinlich seinen bislang publikumsfreundlichsten, zugängstlichen Film geschaffen.
Für die Hauptrolle des Aktivisten Harvey Milk, der als Stadtrat im San Francisco der 70er für die Rechte der schwulen Community gekämpft hat, und der von einem Widersacher kaltblütig erschossen wurde, stand ihm ein Sen Penn zur Verfügung, der hier eine derart atemberaubende Vorstellung zeigt, dass er sämtliche gewonnenen Filmpreise inklusive Oscar dafür absolut verdient hat - man müsste eigentlich noch ein paar Preise dazu erfinden. Penn gehört zu den ganz wenigen Schauspielern, die den Zuschauer vergessen lassen, wer da spielt, er schlüpft komplett in eine andere Haut. Jede Geste, jeder Blick, alles gehört zu Harvey Milk, und man kann ihn nicht genug dafür bewundern. Die Nebendarsteller zeigen ebenfalls starke Leistungen, insbesondere Emile Hirsch und Josh Brolin, der als Nemesis von Milk aus einem zutiefst unsympathischen Charakter eine zerrissene Figur macht, deren Beweggründe zwar nicht verständlich, doch zumindest deutlicher werden.

Van Sant reichert MILK mit Originalaufnahmen an und erschafft so die größtmögliche Authentizität einer Zeit, in der auf der Straße für das gekämpft wurde, was uns heute viel zu oft als selbstverständlich erscheint. Van Sant inszeniert zwei aufwendige Massendemonstrationen so packend, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu stecken. Trotz allen Aufwands und Schrägheit von Kostüm und Maske, die immer wieder für Humor sorgen, bleibt der Mensch Harvey Milk aber stets im Zentrum des Films. Wie Sean Penn selbst in einer Schlüsselszene sagt, ging es Harvey Milk nicht um "Issues", um politische Themen, ihm ging es um sein Leben, er war die Stimme aller gesellschaftlichen Außenseiter, die sich von einer hasserfüllten Mehrheit nicht mehr vorschreiben lassen wollten, wie sie zu leben haben. Wer heute einen Blick z.B. nach Kalifornien wirft, wird sich schnell bewusst, dass Harvey Milks Kampf noch lange nicht vorbei ist - umso wichtiger, dass wir ihn nicht vergessen. Gus van Sant, Drehbuchautor Dustin Lance Black und Sean Penn haben ihm ein würdiges Denkmal gesetzt. MILK ist ein menschlicher, bewegender, wichtiger und aufwühlender Film über einen Menschen, der uns allen ein Vorbild sein muss. Danke schön!
In dem Zusammenhang empfehle ich gern die preisgekrönte Dokumentation "The Times of Harvey Milk".

08/10

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