Mittwoch, 17. Februar 2010

Melinda und Melinda (2004)

Woody Allen hat (für seine Verhältnisse, das muss man immer dazu sagen) in den letzten Jahren eher schwache Filme gedreht, so dass man beim Ansehen des unterhaltsamen und intelligenten "Melinda und Melinda" geneigt ist, ihn zum Meisterwerk zu erklären, aber beim genauen Hinsehen ist er das noch nicht, ganz besonders wenn man ihm zum zweiten Mal sieht.

Zum Inhalt: In einem kleinen Restaurant diskutieren zwei Autoren über das Leben - ist es komisch oder tragisch? Als Beispiel erfinden sie eine Geschichte, die auf zwei unterschiedliche Weisen erzählt wird. In beiden Geschichten platzt eine Frau namens Melinda in eine Dinnerparty, was jeweils zu unterschiedlichen und dennoch ähnlichen Entwicklungen führt.

Seinem Ansatz, die Unterschiede von Tragödie und Komödie auf den Punkt zu bringen, kann Allen leider nicht gerecht werden, aber dies wäre wohl auch ein zu schwieriges Unterfangen. Tatsächlich bleibt Allens große Stärke, die bitteren Wahrheiten über unsere Existenz in absurde Pointen zu packen, hier eher im Hintergrund.

Dafür bietet "Melinda und Melinda" großartige Darsteller, die mit den extrem schnellen Dialogen von Allen sehr gut zurecht kommen. Hauptdarstellerin Radha Mitchell spielt gar so fantastisch ihre beiden Melinda-Parts (mal neurotisch und heruntergekommen, mal charmant und liebenswert), dass man allein ihretwegen den Film lieben kann. Will Ferrell ist hier der Woody Allen-Ersatzmann (ähnlich wie Kenneth Branagh in "Celebrity"), und sehr oft hört und sieht man Woody Allen aus und mit ihm sprechen. Ferrell hat auch die mit Abstand besten Dialoge des Films.

"Melinda und Melinda" schwächelt aber in den szenischen Einfällen. Natürlich gibt es die typischen Restaurant- und Straßenszenen, in denen die Figuren munter ihre Lebenslagen diskutieren, aber dazwischen fehlen wirklich komische oder originelle Situationen und visuelle Ideen. Gegen ein Meisterwerk wie Allens "Stadtneurotiker" wirkt "Melinda" sogar etwas uninspiriert und könnte den Durchschnitts-Zuschauer, der keinen Spaß an Allens Dialogschlachten hat, schnell langweilen.

Fazit: Für Allen-Fans wegen der Sprache, der ausgezeichneten Schauspieler und des typisch jazzigen New York-Ambientes auf jeden Fall ein Muss, für Neugierige durchaus sehenswert, aber mit Vorsicht zu genießen.

07/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...