Freitag, 12. Februar 2010

Meine liebe Rabenmutter (1982)

MEINE LIEBE RABENMUTTER ist ein glänzendes Beispiel für einen Film, der gern ein Drama wäre, aber aufgrund der maßlosen Übertreibungen, Geschmacklosigkeiten und absurden Situationen zum unfreiwillig komischen Knaller für jeden Film-Abend mit guten Freunden wird. Nach ersten Vorführungen, in denen die Zuschauer den Film gnadenlos auslachten, wurde übrigens flugs eine neue Werbekampagne gestartet ("The Biggest Mother Of Them All!", mit Drahtbügel an den Buchstaben), um ihn als das zu vermarkten, was er ist: High Class Trash.

Der Inhalt: die auf der Leinwand stets leidende Joan Crawford war privat ein Monster, zumindest wenn es nach ihrer Tochter Christina geht. Das Adoptivtöchterlein und der kleine Bruder mussten unter der zickigen Diva unsägliche Erniedrigungen ertragen, wie das Aufessen eines halbgaren Steaks und das Saubermachen der Luxusvilla. Manchmal fiel Mutter auch über sie her und versuchte sie zu erwürgen, direkt vor schockierten Journalisten-Augen. Diese und andere Demütigungen bieten die Basis für dieses Absurditäten-Festival. Als ernstes Drama versagt der Film schon deshalb, weil er überhaupt keine Entwicklung schildert - Crawford/Dunaway ist vom ersten Filmmoment an ein Monster, und die "Handlung" besteht nur in einer unendlichen Abfolge von Episoden, in denen sie genau das immer wieder unter Beweis stellt. Es gibt keinen Spannungsbogen, keine Steigerung, nur immer neue Demütigungen, die Klein-Christina hinnehmen muss. Unvergesslich die Szene, in der Dunaway nachts mit der Axt die Rosenbeete zerpflückt und dann gen Vollmond blickt (war Crawford womöglich ein Werwolf?). Ein Klassiker natürlich auch die berühmte "Drahtbügel-Szene", in der sie schielend und mit delikater Gesichtsmaske Klein-Christina verprügelt, die es gewagt hat, Drahtbügel zu benutzen (Crawfords eigene Mutter hat schwer in einer Wäscherei geschuftet, um Joan durchzubringen, ein armseliger Fall von Film-Küchenpsychologie).

Faye Dunaway wird durch Maske und Garderobe so verunstaltet, dass sie wie eine Version von Doktor Frank N. Furter aus der "Rocky Horror Picture Show" aussieht, und ihr Spiel ist ebenso überzogen wie der ganze Film. Niemals gibt es auch nur einen Augenblick, in dem sie echte Gefühle oder leise Töne zeigt. Sie kreischt, stampft, grimassiert und gestikuliert, als gäbe es kein Morgen. Dies ist eine der schlimmsten Darstellungen einer ansonsten ausgezeichneten Schauspielerin, die es auf der Leinwand zu bewundern gibt. Nach diesem Film übrigens ging es mit ihrer Karriere steil bergab, und die hier gezeigte Exaltiertheit findet sich auch in späteren Rollen wieder.

Dass tatsächlich vom Zuschauer erwartet wird, das grandiose Spektakel ernst zu nehmen und zu glauben, dies wäre eine seriöse Biografie, setzt dem Ganzen die Krone auf. Schon die Buchvorlage war nichts weiter als die Rachefantasie einer enterbten Tochter, die es der verstorbenen Mama heimzahlen und mit deren Namen abkassieren wollte. Der Film jedoch ist ein Muss für Freunde des schlechten Geschmacks, am besten in einer Doppelvorstellung mit dem "Tal der Puppen".
Und dass man mich bitte nicht missversteht - ich LIEBE diesen Film!

10/10

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