Dienstag, 16. Februar 2010

Mein wahres Leben in der Provinz (2002)

Warum?

Das ist die Frage, die einem beim Ansehen des Films auf den Nägeln brennt. Wer sieht sich schon gern freiwillig die amateurhaften Home Movies eines Bekannten an, der Passanten, Mutti und sich selbst filmt - selbst wenn er toll ausssieht?

Ach ja..."Mein wahres Leben in der Provinz" ist leider das beste Beispiel dafür, warum das Subgenre des schwulen Films so öde und uninteressant ist (abgesehen von rühmlichen Ausnahmen). Unser jugendlicher Held zieht mit seiner Videokamera durchs Leben und filmt alles, was ihm in die Quere kommt. Dieses Puzzle gibt dann einen Einblick in sein Leben wieder. Das kann man wahnsinnig spannend finden - oder total einschläfernd. Denn leider hat der Film neben diesem Ansatz keinen Gedanken, kein Thema, keinen Subtext, keine Ideen und keine Dramaturgie. Er gibt sich den Stempel "Quasi-Dokumentarfilm", vergisst dabei aber, dass gute Dokumentarfilme auch ein Ziel und eine Spannungsdramaturgie haben sollten, sonst verliert der Zuschauer schnell das Interesse. Die Pannen" (Kamera fällt herunter, kein Licht, etc.) sollen so etwas wie ironische Brechungen sein, sind aber ebenso uninspiriert wie beliebig (zumal sie auf der Hand liegen). Und nach Betrachten des Covers sollte man bloß nicht annehmen, der Film sei womöglich sexy - er ist praktisch aseptisch.

Wer also drauf steht, zuzusehen, wie Mutti sich schminkt, Oma Blumen aufs Grab legt oder unser Held sich 64mal beim Eiskunstlauftraining filmt, dem sei diese Video-Beaobchtung ans Herz gelegt. Wer nach Witz, einer Geschichte oder einem intelligenten Gedanken sucht, der sollte eher einen Bogen um den Film machen und zu einem der wenigen gelungenen schwulen Filme greifen (etwa "Beautiful Thing", oder "Maurice").

02/10

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