Mittwoch, 17. Februar 2010

Meeresfrüchte (2005)

...oder auch: Wenn der Klempner zweimal pümpelt.


MEERESFRÜCHTE (Crustacés & Coquillages) erzählt von einer französischen Familie, die wie jedes Jahr ihren Urlaub in Südfrankreich verbringt - nur dass dieses Mal alles drunter und drüber geht, und zwar in erotischer Hinsicht!
Der pubertäre Sohn, der vom Vater ständig für schwul gehalten wird, wird von seinem besten Freund angebaggert, die Mutter (großartig: Valeria Bruni-Tedeschi) hat ihren eigenen Liebhaber dabei, der zu allen unmöglichen Tages- und Nachtzeiten nackt aus dem Gebüsch springt, die Tochter verzieht sich gleich mit ihrem Lover nach Portugal, und der Vater - die größte Überraschung - erkennt in dem dörflichen Klempner (Jean-Marc Barr) seine große Liebe von damals - als er noch wusste, dass er auf Kerle steht. Zudem geht ständig das heiße Wasser aus, weil alle männlichen Familienmitglieder unter der Dusche masturbieren. Es wird Zeit für Veränderungen in der Familie.

Das Ganze ist natürlich eine Parodie auf ähnlich gelagerte Boulevardkomödien, wenngleich sehr viel erwachsener und spielerischer. Der Film enthält sich jeder moralischen Be- und Verurteilung der Figuren, was ihn unwiderstehlich macht. Das ist alles sehr turbulent, wird von einigen Gesangseinlagen der Darsteller zusätzlich aufgelockert und spielt entspannt in schöner, sonniger Strand-Kulisse. Der Film braucht eine kleine Weile, bis er richtig in Fahrt kommt, dann aber ist der Spaß ungetrübt. Zu den Highlights zählen Valeria Bruni-Tedeschis Jointkonsum ("Oh, ein Flugzeug!") sowie ihr kurzer Ausraster beim Blumengießen, und der Höhepunkt findet früh morgens bei Sonnenaufgang auf der Landstraße statt, wo der Familienvater seiner Frau verkündet: "Beatrix - ich liebe den Klempner!".

Das ist so hinreißend unverkrampft, so typisch französisch, dass es einfach Lust macht - auf Urlaub, auf Sex, auf Liebe, und auf mehr vergnügliche Filme wie diesen. Niemals könnte hierzulande ein fluffig-charmanter Spaß wie dieser entstehen, der so herrlich unterhält, ohne jemals blöde oder plump zu sein. 

09/10

Tote Hose im Bett?

Aber nicht unter der Dusche.

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    ja jetzt ist wieder Ferienzeit. "Wenn der Klempner mit dem Pümpel...". Über Schwulenfilme kann man ganze Abhandlungen schreiben oder sich einfach diesen herrlich unverkrampft-lockeren französischen Familienfilm ansehen, den Du da oben so trefflich beschrieben hast. Sicherlich fehlt es dem Film für meinen Geschmack etwas an Schärfe, aber ich sehe MEERESFRÜCHTE auch sicherlich aus einer anderen Position als das übliche Kino-/TV-Publikum. Sehr schön auch das unkonventionelle Ende, als alle miteinander tanzen. Manchmal kann das Zusammenleben doch so einfach sein !

    Gruss Ralf

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  2. Das hast Du schön gesagt, kein Widerspruch von mir!

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