Mittwoch, 17. Februar 2010

Maurice (1987)

James Ivory ist 1987 mit MAURICE, der Verfilmung des Romans von E.M.Forster (ebenfalls sehr empfohlen), ein hinreißendes, anspruchsvolles Kostümdrama und eine Sternstunde des britischen Kinos gelungen. Sein Film überzeugt auch heute noch durch die fabelhaften Darsteller, die Werktreue und die sorgfältige Ausstattung.

Der Film erzählt vom jungen Maurice Hall (James Wilby), der sich in seinen Studienkollegen Clive (Hugh Grant) verliebt, von diesem aber nach einiger Zeit der innigen Freundschaft aus Angst vor den eigenen Gefühlen und Sorge um die Anwaltskarriere zurückgewiesen wird. Der unglückliche Maurice versucht, sich selbst zu finden, den gesellschaftlichen Schranken zu entfliehen und entdeckt dabei eine neue Liebe...

Vom ersten Moment an wird der Zuschauer durch die prächtige Fotografie und die stimmungsvolle Musik Richard Robbins' in die Zeit und die Geschichte hineingezogen. Neben den Hauptdarstellern überzeugen in Nebenrollen Ben Kingsley (als Psychiater, der Maurice per Hypnose zu "heilen" versucht), Billie Whitelaw und Denholm Elliott. Als hübscher Jagdaufseher Alec bleibt der junge Rupert Graves unvergesslich, der später gemeinsam mit James Wilby in dem ebenso sehenswerten Evelyn Waugh's "Eine Handvoll Staub" spielte. Wer könnte ihm widerstehen, wenn er nachts per Holzleiter ins offene Fenster steigt, um seine Liebe zu erklären?

Das Drehbuch hält sich so eng an Forsters Roman, dass man ihn nebenbei mitlesen könnte, verändert nur am Ende die Reihenfolge der Szenen, meiner Meinung nach sehr sinnvoll. MAURICE erliegt nicht der Versuchung, mit dem homosexuellen Maurice eine tragische Figur zu erschaffen, die nur im Verderben enden kann, sondern zeichnet dessen Bemühen um ein selbstbestimmtes, ehrliches Leben innerhalb der gesellschaftlichen Normen als hoffnungsvoll. So wird das Drama nie deprimierend. Die Gefahr vor Entdeckung ist natürlich stets gegeben und wird durch historische Bezüge (Oscar Wilde) untermauert. Auch Maurice selbst versucht sich von seiner "Krankheit" anfangs zu befreien und braucht lange, um seine Natur zu erkennen und zu akzeptieren.

Neben aller Kritik an der bedrückenden Gesellschaft, die ausschließlich Wert auf äußeren Schein legt, ist und bleibt MAURICE aber eine wunderschöne, lebensbejahende Liebesgeschichte in berückenden Bildern, die völlig ohne Kitsch zu Tränen rührt und gleichzeitig den Zuschauer mit positiver Kraft entlässt. Ein Meisterwerk, übrigens für alle Zuschauer, da der Film - ähnlich wie "Brokeback Mountain" - trotz seiner schwulen Coming-Out-Geschichte von universellen Gefühlen und Sehnsüchten handelt, die uns alle betreffen. Für mich bleibt MAURICE James Ivorys bester Film.

10/10

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