Mittwoch, 17. Februar 2010

Matinee (1993)

Willkommen im Florida der frühen 60er, zu Atomangst, Kaltem Krieg, Kubakrise und Trash-Gruselfilmen, in denen mutierte Ameisen und Monster brave Bürger erschrecken. Horror-Regisseur Laurence Woolsey (John Goodman) reist mit seiner Frau (Cathy Moriarty) von Stadt zu Stadt und führt seine Filme vor, zur Freude der Kids und zum Ärger der konservativen Eltern, die nicht nur Jagd auf Kommunisten machen, sondern auch auf harmlose Gruselunterhaltung. Woolseys neuer Streifen "Mant" soll ein besonderes Ereignis werden, mit Elektroschockern unter den Kinositzen und Angestellten in Monsterkostümen. Diese Matinee wird im wahrsten Sinne unvergesslich für alle Beteiligten...

Joe Dante (Gremlins - Kleine Monster, Piranha) inszenierte 1993 mit MATINEE einen liebe- und humorvollen, aber auch nachdenklichen Rückblick auf seine eigene Kindheit sowie eine Hommage an das Gruselkino der 50er und an Regisseur William Castle (Die 7 Särge des Dr. Horror, Mörderisch - Die Geschichte einer Psycho-Killerin), der mit seinen schrillen Marketing-Effekten (Blut-Popcorn, Lebensversicherungen vor Beginn des Films, fliegende Skelette während der Vorstellung) und billig produzierten Trash-Klassikern zur Genre-Ikone wurde und von John Goodman skurril-sympathisch dargestellt wird.

Gleichzeitig entwirft Dante ein emotionales Bild des Kalten Krieges und dessen Wirkung auf die Jugend der späten 50er/frühen 60er. Für die Kids sind die Filme von Laurence Woolsey eine Flucht vor den realen Schrecken des täglichen Lebens, das geprägt ist von Atomschutzübungen in der Schule, Hexenjagden der Bevölkerung und einer vaterlosen Gesellschaft (der Vater unseres jungen Helden Simon Fenton befindet sich auf einem U-Boot vor Key West). So ist Dantes Film auch ein eindringliches Plädoyer für den Horrorfilm und gegen Bevormundung durch ignorante Bürokraten und Zensoren, die moralisches Übel an den ganz falschen Stellen suchen.

MATINEE funktioniert mit seinem originellen Witz und den liebenswerten Figuren sowohl für Kinder als auch - wegen seiner politischen Subtexte - für Erwachsene. Wenn im Finale das Kleinstadt-Kino vor Chaos und Begeisterung beinahe zusammenbricht und die beiden jugendlichen Hauptdarsteller aus Versehen in einem Atomschutzbunker eingeschlossen werden, erreicht MATINEE einen wunderbaren Höhepunkt voller Humor, Spannung und Gefühl. Ein wirklich reizender Film über eine nicht unbeschwerte Zeit, gesehen mit den Augen eines erwachsen gewordenen Kindes namens Joe Dante.

08/10

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